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Deutsche Bahn startet eine Produkt-Offensive
Wie die Deutsche Bahn für Kunden attraktiver werden will

 Berthold Huber, Vorstand der Deutschen Bahn AG.
Berthold Huber, Vorstand der Deutschen Bahn AG. FOTO: Michael Kappeler/dpa / Michael Kappeler
Berlin. Berthold Huber, Vorstand Personenverkehr, setzt auf komfortablere Züge, zahlreiche Online-Buchungsmöglichkeiten und mehr Fahrten im Fernverkehr.  Von Thomas Sponticcia

Berthold Huber, Vorstand Personenverkehr bei der Deutschen Bahn, erkennt das Schweizer Zugsystem als vorbildlich an. „Im Vergleich der Schienensysteme sind uns die Schweizer sicherlich bei einigen Dingen voraus.“ Allerdings muss die Deutsche Bahn ihre Leistungen in einem viel größeren Land mit entsprechend längeren Strecken im Fernverkehr anbieten und zudem mit 16 Bundesländern koordinieren, was Pünktlichkeit sowie Anschlüsse stark beeinflusst. An zahlreichen Verbesserungen werde gearbeitet, so Huber.

Gegenwärtig hat die Deutsche Bahn noch große Probleme mit der Pünktlichkeit, was auch auf zahlreichen Baustellen an Strecken zurückzuführen ist. Die Bahn nimmt für die Modernisierung Milliardenbeträge in die Hand. Gerade hat auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Bundestagsabgeordneten der Großen Koalition um Unterstützung gebeten, denn im Rahmen weiterer Milliardeninvestitionen in die Schienen-Infrastruktur soll bis 2030 der Deutschland-Takt der Deutschen Bahn realisiert werden. Dieser stimmt bundesweit alle Züge aufeinander ab.

Huber verweist darauf, dass „die Angebotsoffensive im Sinne des Deutschland-Taktes fortgesetzt wird“. Bis 2030„verbinden wir die großen Metropolen mit ICE-Zügen zweimal in der Stunde. Und im Flächennetz werden wir nahezu alle deutschen Städte ab 100 000 Einwohnern zumindest zweistündlich mit Intercity-Zügen ans Fernverkehrsnetz anschließen“. Schon bis 2024 „bauen wir unsere ICE-Flotte um 200 Züge aus“. Zwischen München und Berlin existierten bereits zwanzig Direktverbindungen täglich in beide Richtungen. „Und zwischen Frankfurt und Berlin fahren wir seit über drei Jahren zweimal pro Stunde und Richtung.



Um mehr Kunden zu gewinnen, setzte die Deutsche Bahn vor allem auf Online-Buchungen von Tickets wie „die DB Navigator APP als Nummer zwei unter den Reiseapps in Deutschland nach Google Maps. Neun Millionen Menschen pro Monat haben schon das Buchungsangebot genutzt. Alleine 2018 wurden über 28 Millionen Handy-Tickets über die App gebucht, ein Plus von 75 Prozent gegenüber 2017“, betont Huber. Gerade werde eine neue Version entwickelt, die auch Leihfahrräder, Car- oder E-Roller Sharing integriert. Über diese App seien zudem Tickets von 29 Verkehrsverbünden deutschlandweit buchbar. „Damit erreichen wir bereits jetzt 86 Prozent der Menschen, die in Verbünden wohnen.“ Buchbar seien zudem Angebote von ioki, Clever Shuttle bis hin zu Call a Bike und Flinkster. Diese Angebote finde man über den DB Navigator oder bei regionalen Verkehrsverbünden. Die Bahn biete immer mehr Komplett-Leistungen von der Haustüre bis zum Hotel am Zielort an. Geschäftsreisende könnten schon die ICE Flotte mit WLAN und ausreichend Steckdosen als mobiles Büro nutzen. Hier seien auch 4er-Sitzgruppen am Tisch für Besprechungen buchbar. Künftige Zügen böten neben Komfortsitzen abgetrennte Kabinen zur Nutzung als Büro. Gruppenreisende sollen in einem Public-Viewing-Bereich Sport- oder Nachrichtenübertragungen sehen können.