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Mindestens 4000 pro Jahr
DGB beklagt fehlende Ausbildungsplätze

Mainz. In Rheinland-Pfalz fehlen laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) jedes Jahr mindestens 4000 Ausbildungsplätze für junge Leute. Im Land gebe es aktuell 77 800 Menschen zwischen 20 und 30 Jahren ohne Berufsausbildung, sagte DGB-Landeschef Dietmar Muscheid.

„Kammern und Verbände reden sich die Lage schöner, als sie ist“, kritisierte er. Tatsächlich sei jeder sechste junge Erwachsene betroffen.

Ein zentrales Problem sehen die Gewerkschafter darin, dass der Hauptschulabschluss in den vergangenen Jahren immer stärker entwertet worden sei. Nur noch ein sehr geringer Prozentsatz der Ausbildungsplätze sei für Bewerber offen, die lediglich eine Berufsreife vorweisen können. Die offiziellen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit geben an, dass es in Rheinland-Pfalz nahezu gleich viele offene Ausbildungsstellen und Bewerber ohne Ausbildungsplatz gibt. Für das Berichtsjahr 2016/2017 standen 27 762 gemeldete Interessenten landesweit 27 640 unbesetzten Ausbildungsstellen gegenüber.

Diese Zahlen verschleiern laut DGB das wahre Ausmaß des Problems. Viele Menschen, die erfolglos nach einer Ausbildung suchten, würden in der Statistik nicht erfasst, weil sie einen Job als ungelernte Arbeitskräfte oder Praktika angenommen hätten. Auch Menschen, die sich nach einer ersten Vorsprache einfach nicht mehr bei der Bundesagentur melden, würden nicht berücksichtigt, obwohl nicht klar sei, wie ihre berufliche Situation aussieht. Der DGB sieht die Unternehmen in der Pflicht. „Wir haben den Eindruck, dass die Problematik in vielen Stellen hausgemacht ist“, sagte die Bezirksjugendsekretärin Leonie Hein.



So gebe es offene Ausbildungsplätze vor allem in solchen Branchen, in denen die Auszubildenden besonders häufig über „gravierende Qualitätsmängel“ während der Ausbildungszeit klagten. Der DGB fordert unter anderem einen besseren und umfassenden Datenabgleich zwischen Schulen und Arbeitsagentur nach dem Vorbild von Hamburg, damit alle Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz individuell betreut werden könnten.

(epd)