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Deutsche Wirtschaft weiter im Aufwind

Wiesbaden/Luxemburg. Der Euroraum schwächelt, die deutsche Wirtschaft wächst etwas weniger als erwartet. Volkswirte sehen aber keinen Grund für Alarmstimmung: Die Euroschwäche und der niedrige Ölpreis sind gute Voraussetzungen für die Konjunktur – trotz mancher Risiken. Agentur

Boomende Exporte und konsumfreudige Verbraucher treiben die deutsche Wirtschaft an - der Euroraum insgesamt musste dagegen im Frühjahr einen kleinen Dämpfer verkraften. Euroschwäche und niedriger Ölpreis ließen bessere Konjunkturdaten erwarten. Volkswirte sehen jedoch gute Wachstumsaussichten sowohl für Deutschland als auch für die Eurozone - wenn auch mit zunehmenden Risiken.

In Deutschland stieg das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit kommt Europas größte Volkswirtschaft nach einem Dämpfer zu Jahresbeginn besser in Fahrt. Der schwache Euro verbilligt Waren "Made in Germany" auf den Weltmärkten, die Exporteure sind nach dem stärksten ersten Halbjahr seit 2011 auf Rekordkurs. Verbraucher konsumieren dank niedriger Energiepreise mehr. Gebremst wurde das Wachstum, weil nach dem milden Winter Bauinvestitionen im Frühjahr schwächer ausfielen.

Frankreich konnte nicht von den günstigen Rahmenbedingungen profitieren: In der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft stagnierte die Wirtschaftsleistung von April bis Juni - nachdem Frankreich zum Jahresaufakt noch mit - revidierten - 0,7 Prozent Plus geglänzt hatte. Das Land kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit und Reformstau. Auch die italienische Wirtschaft wuchs mit 0,2 Prozent im zweiten Vierteljahr etwas schwächer als erwartet. Spanien kam unterdessen auf 1,0 Prozent Wachstum - allerdings hat das Land nach einem tiefen Einbruch seiner Wirtschaft einiges aufzuholen.

Im Euroraum insgesamt schwächte sich das Wachstum nach Angaben von Eurostat im Quartalsvergleich von 0,4 auf 0,3 Prozent ab. Das sei nicht bedenklich, meint der Euro-Chefvolkswirt der Unicredit , Marco Valli: Die meisten Konjunkturdaten versprächen eine gute Entwicklung. Er glaube nicht, dass die Turbulenzen in China oder die Griechenland-Krise den Aufschwung wirklich bedrohen könnten. "Die aktuell aufgeregte Diskussion scheint vollkommen zu übersehen, dass sich die Eurozone erholt", betonte Helaba-Ökonom Stefan Mütze zu China.

Volkswirte , die für Deutschland sogar mit 0,5 Prozent im zweiten Quartal Wachstum gerechnet hatten, warnen vor Risiken auch für die deutsche Wirtschaft: "Die wirtschaftlichen Probleme Chinas haben die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft erhöht", schreibt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Thomas Harms, Partner beim Beratungsunternehmen EY, bekräftigt: "Die Wachstumsdelle in China werden einige deutsche Konzerne, die dort sehr stark engagiert sind, schmerzlich spüren."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält derweil an seiner Prognose von 1,8 Prozent Wachstum für die deutsche Wirtschaft 2015 fest. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben relativierte allerdings: "Ein Gutteil hiervon ist dem "Doping" durch geringe Zinsen und Ölpreise sowie dem niedrigen Wechselkurs zu verdanken. Doch darauf können wir nicht dauerhaft setzen." Im Gesamtjahr 2014 hatte die deutsche Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent zugelegt.