| 20:41 Uhr

Deutsche Post
Bad Kreuznach: Post testet Autoschalter

 Vorfahren, Paket abholen – und weiterfahren. Filialpartner Andreas Paulus nimmt am bundesweit ersten Autoschalter ein Paket in Empfang. Laut eigener Aussage kommt das Konzept bei Kunden „super“ an.
Vorfahren, Paket abholen – und weiterfahren. Filialpartner Andreas Paulus nimmt am bundesweit ersten Autoschalter ein Paket in Empfang. Laut eigener Aussage kommt das Konzept bei Kunden „super“ an. FOTO: dpa / Thomas Frey
Bad Kreuznach. Vorfahren, Paket abholen und ohne Aussteigen wieder wegfahren. Das ist das simple Konzept eines Autoschalters der Deutschen Post, der gerade als deutschlandweit erster in Bad Kreuznach getestet wird. Für alle Gegenden ist das Konzept allerdings nicht geeignet.

Es erinnert stark an die längst gewohnten Drive-Ins an Fast-Food-Restaurants. Einmal mit dem Wagen um das Haus herum, dann am Schalter stoppen und das Geschäft abwickeln. Doch bei einem Schalter in einem Bad Kreuznacher Gewerbegebiet geht es nicht um Burger oder Pommes, sondern um das Abholen und Abgeben von Paketen oder Briefen sowie um das Kaufen von Briefmarken. Denn in der dortigen Filiale testet die Deutsche Post DHL Group ihren bundesweit ersten Autoschalter – und zeigt sich nach einigen Wochen zufrieden. Der Schalter könnte ein weiterer Weg werden, wie Sendungen beim Kunden landen. Überall dürfte dieses Konzept freilich nicht passen.

„Es ist eine relativ einfache Idee“, sagt Postsprecher Stefan Heß. Man hoffe nun, dass sie genauso gut funktioniere wie die 2002 erstmals in Dortmund und Mainz getesteten Packstationen, die mittlerweile bundesweit von rund zehn Millionen Kunden genutzt würden. Martin Weber, Geschäftsbereichsleiter Filialvertrieb bei der Deutschen Post, sagt, bislang werde der Schalter gut von den Kunden angenommen, bis zu 50 seien es an Spitzentagen. Klar sei aber auch, dass es für solch ein Angebot die passenden Räumlichkeiten brauche. Für Innenstadtlagen sei das eher nicht geeignet.

Der Test mit dem Schalter auf der Rückseite einer Post-Filiale in einem Bad Kreuznacher Gewerbegebiet startete am 3. Dezember vergangenen Jahres und soll noch bis Ende Mai laufen. Anschließend wird die Post prüfen, ob sie das Konzept in die Fläche bringen will. Der Filialpartner in Bad Kreuznach heißt Andreas Paulus, er betreibt ein Geschäft für Textil- und Werbetechnik. Er sagt: „Es kommt super bei den Kunden an, auch die Abläufe hinten dran laufen einwandfrei.“



Zur offiziellen Vorstellung des Test-Autoschalters ist am Freitag auch die Bad Kreuznacher Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer (SPD) gekommen. Sie sagt, an der Hauptpost im Zentrum der Stadt gebe es oft eine problematische Parkplatzsituation, das sei hier anders, die Abläufe seien schneller. Eine Kundin, die in dem Moment mit ihrem Wagen vorfährt und an dem Schalter ein Paket abholt, bestätigt das. Warum sie das Angebot nutzt? „Ich muss nicht aussteigen.“

Klar ist, der Test fällt in eine Zeit, in der die Zustellwege immer vielfältiger werden und die Zahl der Sendungen angesichts des Online-Handels rapide steigt. Laut dem Bundesverband Paket und Expresslogistik sind in Deutschland 2017 insgesamt 3,35 Milliarden Paket-, Express oder Kuriersendungen zusammengekommen – 6,1 Prozent mehr als im Jahr davor. Zehn Jahre zuvor waren es erst 2,23 Milliarden. Bis 2022 erwartet der Verband pro Jahr ein Plus von etwas mehr als fünf Prozent.

Entsprechend wird der Post-Pilotversuch in Bad Kreuznach auch beim Konkurrenten Hermes Group mit Sitz in Hamburg mit Interesse beobachtet, wie Sprecher Ingo Bertram sagt. Es sei fraglich, ob die Ausrichtung auf das Auto in Städten sinnvoll sei, auf dem Land sei die Situation anders. „Da könnte so was durchaus sinnig sein.“

Klar sei, dass nach immer neuen Alternativen geschaut werden müsse, wie Pakete zu Kunden kommen könnten, sagt Bertram – auch angesichts des Mangels an Fahrern. „Die Zustellung wird immer diverser.“ Hermes teste beispielsweise Lastenräder, auch Zustellroboter seien schon mal ausprobiert worden. Post-Sprecher Heß bestätigt diesen Trend. „Den einen Weg gibt es nicht mehr.“

Für die Zentren der großen Städte dürfte der Autoschalter nicht das Allheilmittel werden, auch im Falle eines tadellosen Verlaufs des Tests. Das liegt daran, dass dort das Auto schlicht nicht mehr die Bedeutung hat wie früher. Tristan Horx vom Zukunftsinstitut Österreich drückt das so aus: „Das Auto verliert angesichts überfüllter Straßen und staugeplagter Städte seine dominierende Stellung.“ Auch sei das Privatauto als Statussymbol im Rückgang.

Post-Geschäftsbereichsleiter Weber sieht den Autoschalter als ein zusätzliches Angebot für Kunden. „Die Kunden haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse“, betont er. Getestet werde bei der Deutschen Post zum Beispiel auch eine Kofferraum-Zustellung. Und die ist schließlich auch bei Carsharing-Wagen denkbar – „eine mobile Lösung für ein mobiles Zeitalter“, wie Horx findet.