| 20:29 Uhr

Wirtschaftsentwicklung
Die Konjunktur trübt sich weiter ein

 Der Hamburger Hafen gilt als Deutschlands Tor zur Welt. Zuletzt trübte sich der Export, der hier abgewickelt wird, jedoch ein.
Der Hamburger Hafen gilt als Deutschlands Tor zur Welt. Zuletzt trübte sich der Export, der hier abgewickelt wird, jedoch ein. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt
Wiesbaden. Die deutsche Wirtschaft gerät ins Stocken. An einer sogenannten „technischen Rezession“ schrammte sie im vierten Quartal nur knapp vorbei. Friederike Marx

Bremsspuren statt Rückenwind: Die deutsche Wirtschaft startet ohne Schwung in die kommenden Monate. Im vierten Quartal 2018 stagnierte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) etwa auf dem Niveau des Vorquartals, wie das Statistische Bundesamt gestern  mitteilte. Das dämpft die Aussichten für das laufende Jahr. Das Wachstum im Gesamtjahr 2018 fiel mit 1,4 Prozent etwas schwächer aus als zunächst berechnet. Im Januar waren die Statistiker noch von einem Anstieg des BIP von 1,5 Prozent ausgegangen. 2018 war das neunte Wachstumsjahr in Folge, allerdings hat sich das Tempo deutlich verlangsamt.

Vor allem internationale Handelskonflikte bremsten Europas größte Volkswirtschaft. Hinzu kamen im zweiten Halbjahr Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP sowie Niedrigwasser wegen der Sommerhitze, das den Transport etlicher Güter behinderte.

Angesichts der schwachen Entwicklung Ende 2018 haben sich die Aussichten für das laufende Jahr weiter eingetrübt. Mit einem Absturz der deutschen Konjunktur rechnen Ökonomen aber nicht. Dagegen spreche die Binnennachfrage, „die bis zuletzt – anders als in zurückliegenden Konjunkturabschwüngen – robust geblieben ist“, argumentierte Commerzbank-Chevolkswirt Jörg Krämer. Die Verbraucher sind angesichts der historisch niedrigen Arbeitslosigkeit und steigender Einkommen grundsätzlich in Kauflaune. Die Bürger zeigten sich weiter recht ausgabefreudig, hieß es in der jüngsten Konsumklima-Studie der GfK-Konsumforscher. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt Deutschland der ING, verwies unter anderem auf die gut gefüllten Auftragsbücher der Unternehmen. Das sichert die Produktion über einen längeren Zeitraum und damit die Arbeitsplätze der Beschäftigten. Getragen wurde die Konjunktur im vierten Quartal 2018 dem Bundesamt zufolge vor allem von der Entwicklung im Inland. Die Unternehmen investierten deutlich mehr in Bauten sowie in Maschinen und andere Ausrüstungen als im dritten Vierteljahr. Die Konsumausgaben der Verbraucher stiegen leicht. Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge deutlich zu. Der Außenhandel lieferte dagegen keine Wachstumsimpulse. Der Export leidet unter handelspolitischen Stürmen und der Abkühlung der Weltkonjunktur.



Die deutsche Wirtschaft schrammte damit Ende 2018 an einer leichten Rezession vorbei. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer „technischen Rezession“. Es handelt sich in diesem Fall  aber nur um eine sehr milde Varian­te. Anders sieht es aus, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr gegenüber dem Vorjahr schrumpft.

In Europa zählte die langjährige Wachstumslokomotive Deutschland zu den Schlusslichtern. Nur Italien schnitt nach vorläufigen Zahlen von Eurostat mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,2 Prozent zum Jahresende schlechter ab. Insgesamt wuchs die Wirtschaft in der EU und im Euro-Raum im vierten Quartal leicht um jeweils 0,2 Prozent gegenüber dem dritten Vierteljahr.