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Frankfurt
Deutsche Bank macht wieder Gewinn

 Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will den Stellenabbau in diesem Jahr fortsetzen.
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will den Stellenabbau in diesem Jahr fortsetzen. FOTO: AP / Michael Probst
Frankfurt. Die Spekulationen über eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank wollen trotz der Wende in die schwarzen Zahlen nicht verstummen. Von Jörn Bender und Steffen Weyer

„Stabiles Fundament“, „solides Gebäude“, „starke Bilanz“ – Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zeigt sich kämpferisch. Der Vorstand habe 2018 alle Ziele erreicht und einen klaren Wachstumsplan für 2019, betont er bei der Bilanzvorlage am Freitag in Frankfurt. „Wir haben es selbst in der Hand.“ Unbeeindruckt zeigt sich Sewing von den seit Monaten hochkochenden Medienberichten, die Politik wolle eine Fusion der geschrumpften Deutschen Bank mit der teilverstaatlichten Commerzbank herbeiführen – und das womöglich noch im laufenden Jahr.

„Ich habe letztes Jahr gesagt, dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen. Da sind wir gut dabei, und darauf konzentrieren wir uns“, sagt Sewing. „Wir glauben an unseren Plan. Dafür müssen wir hart arbeiten. Und über alles andere mache ich mir keine Gedanken. Wir beteiligen uns an diesen Spekulationen nicht.“

Nach drei Verlustjahren in Folge schaffte es Deutschlands größtes Geldhaus 2018 wieder in die schwarzen Zahlen – wenn auch mit 341 Millionen Euro nur knapp im Vergleich zu früheren Milliardengewinnen. Im Geschäftsjahr 2015 hatte die Deutsche Bank mit rund 6,8 Milliarden Euro den bisher höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte verbucht, 2016 summierte sich das Minus auf knapp 1,4 Milliarden Euro, 2017 standen 735 Millionen Euro Verlust in den Büchern.



„Wir sind natürlich noch nicht dort, wo wir hinwollen“, räumt Sewing ein. Im Schlussquartal 2018 rutschte das Institut nach drei soliden Quartalen sogar wieder in die roten Zahlen. Die Rückkehr in die Gewinnzone im Gesamtjahr zeige aber, dass die Deutsche Bank „auf dem richtigen Weg“ sei, meint Sewing. Die Kosten will der Vorstand noch stärker drücken – auch durch einen weiteren Personalabbau über 2019 hinaus. Im vergangenen Jahr sank die Belegschaft um 6000 Vollzeitkräfte auf gut 91 700 Mitarbeiter. Bis Ende 2019 sollen es „deutlich unter 90 000“ sein.

Während die Mitarbeiterzahl schrumpft, soll das Geschäft wieder wachsen. Chancen sieht das Management beispielsweise im Kreditgeschäft mit Privat- und Firmenkunden sowie im Geschäft mit vermögenden Kunden. Bereits jetzt machen nach Angaben der Bank die „stabileren Sparten“, zu denen die Privat- und Firmenkundenbank sowie die Fondstochter DWS zählen, mehr als 60 Prozent des Geschäfts aus. Die Integration der Postbank geht voran und soll sich für den Deutsche-Bank-Konzern künftig noch mehr auszahlen. Damit stößt das Geldhaus verstärkt in ein Segment vor, in dem die Commerzbank seit einigen Jahren relativ erfolgreich unterwegs ist.

Nähern sich die beiden verbliebenen großen Privatbanken in Deutschland also doch an? Seit Sommer werben Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, Ex-Deutschlandchef von Goldman Sachs, und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) für stärkere deutsche Banken. Auf eine Anfrage der Grünen zu den angeblichen Fusionsplänen antwortete das Finanzministerium, die Bundesregierung stehe „wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber“. Er freue sich, „dass wir eine Bundesregierung haben, die sich aktiv um den Finanzstandort Deutschland und Frankfurt Gedanken macht“, gibt Sewing zu Protokoll. Nicht mehr und nicht weniger.