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Erstmal keine Streiks
Gewerkschaft GDL lehnt neues Tarifangebot der Bahn ab

 GDL-Chef Claus Weselsky (links) erklärte nach der sechsten Runde der Tarifgespräche mit Bahn-Personalvorstand Martin Seiler die Verhandlugen für gescheitert.
GDL-Chef Claus Weselsky (links) erklärte nach der sechsten Runde der Tarifgespräche mit Bahn-Personalvorstand Martin Seiler die Verhandlugen für gescheitert. FOTO: dpa / Martin Schutt
Eisenach. In der Tarifrunde bei der Bahn wird hart um Prozente und Vertragslaufzeiten gerungen. Für Fahrgäste gilt: Solange geredet wird, gibt es keine Streiks. Von Simone Rothe, Burkhard Fraune und Bernd Röde

Die Deutsche Bahn will mit einem neuen Angebot an die Gewerkschaften Bewegung in die schwierigen Tarifverhandlungen bringen und Streiks verhindern. Bislang aber ohne Erfolg. Am Morgen hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) die Gespräche für gescheitert erklärt. Gleichzeitig ließ er erkennen, dass er wieder zu Verhandlungen bereit wäre, sollte die Bahn ein verbessertes Angebot vorlegen. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler sagte aber: „Ich gehe davon aus, dass wir mit einem verbesserten Angebot auch da den Gesprächsfaden wieder aufnehmen können.“ Kurz darauf legte die Bahn ihr neues Angebot vor. GDL-Chef Claus Weselsky lehnte es umgehend ab, wie er dem SWR sagte: „Es ist eine Taktiererei, ein Verschieben von Zahlen. Für Tarifexperten ist das neue Angebot genauso viel wert wie das vorhergehende Angebot.“ Die Bahn versuche lediglich über eine höhere Zahl – 3,2 Prozent statt 2,5 Prozent – bei der angebotenen ersten von zwei Stufen den Eindruck zu erzeugen, dies sei ein besseres Angebot. „Wenn man allerdings auf 34 Monate Laufzeit geht, dann kommt man zu dem Schluss, dass beide Angebote gleichwertig sind.“ Die Bahn müsse sich die Frage gefallen lassen, „ob sie mit Taschenspielertricks die Kollegen blenden will“. Weselsky drohte daraufhin: „Der Arbeitgeber hat es in der Hand, ein verbessertes Angebot vorzulegen, sonst werden wir im Januar über weitere Schritte entscheiden.“ Die Lokführergewerkschaft kann allerdings nicht sofort zu einem Streik aufrufen. Zunächst muss sich die GDL in eine Schlichtung begeben und kann erst nach deren Ende ihre Mitglieder aufrufen, die Arbeit niederzulegen.

Die Bahn setzte gestern in Berlin auch ihre am Vortag begonnenen Gespräche mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für rund 160 000 Beschäftigte fort. Strittig ist weiterhin, wie hoch die geforderte Lohnerhöhung ausfällt. Die EVG hatte am Montag mit einem Warnstreik Druck auf das Management aufgebaut. Der Ausstand legte den Zugverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahm. EVG war wie die GDL vor zwei Monaten mit einer Forderung nach 7,5 Prozent mehr Einkommen in die Tarifrunde eingestiegen. Die Lokführergewerkschaft vertritt rund 36 000 Beschäftigte des Zugpersonals, darunter vor allem Lokführer, Zugbegleiter und Bordgastronomen.

Die Bahn hatte eine Einkommenserhöhung in zwei Stufen angeboten: 2,5 Prozent zum 1. März 2019, weitere 2,6 Prozent zum 1. Januar 2020, bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten. Für die Monate Oktober 2018 bis Februar 2019 sollte eine Einmalzahlung von 500 Euro hinzukommen.



Die Verkehrsgewerkschaft EVG verlangte zuletzt für die erste Erhöhungsstufe 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Zumindest sollte eine Drei vor dem Komma stehen, hieß es bei der EVG. Die Bahn strebt an, bei dem Entgelt mit der EVG und der GDL gleiche Abschlüsse zu erzielen.

Unterdessen legte Bahn-Konzernchef Richard Lutz dem Aufsichtsrat seine Finanzplanung bis zum Jahr 2023 vor. Nach früheren Aussagen will der bundeseigene Konzern aus eigenen Mitteln in den kommenden fünf Jahren fünf Milliarden Euro zusätzlich in Züge und Schienennetz investieren.