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Online-Shopping
Der Onlinekauf im Ausland kann teuer werden

 Waren aus aller Welt treffen täglich in Deutschland ein. Kommen sie von außerhalb der EU, liegt die Zollfreigrenze bei 22 Euro.
Waren aus aller Welt treffen täglich in Deutschland ein. Kommen sie von außerhalb der EU, liegt die Zollfreigrenze bei 22 Euro. FOTO: dpa / Tom Weller
Berlin. Wer etwas im Internet bestellt, sollte darauf achten, aus welchem Land die Ware zu ihm verschickt wird.

Wer Waren von außerhalb der Europäischen Union im Internet bestellt, muss mit zusätzlichen Kosten rechnen. Darauf weist die Stiftung Warentest hin. Zu diesen Kosten gehören Einfuhrabgaben wie Steuern und Zoll, aber auch Gebühren für den Paketdienst. Viele Onlinekäufer rechneten diese Kosten nicht ein und seien dann überrascht, wenn vermeintliche Schnäppchen teurer würden als gedacht, sagen die Tester. Sie geben einige Tipps, worauf man achten sollte, damit Online-Bestellungen nicht teurer werden als gedacht.

Planen Käufer sollten sich ausführlich informieren, bevor sie etwas im EU-Ausland bestellen. Günstige Markenware aus dem Ausland – zum Beispiel aus den USA oder China – koste durch Zollgebühren schnell mehr als hierzulande, mahnt die Stiftung Warentest. Häufig werde ein vermeintliches Schnäppchen dann zum teuren Spaß. Ob bei einer Bestellung außerhalb der EU Steuern und Zoll fällig werden, hänge zunächst vom Gesamtwert der Bestellung ab, erläutern die Tester. Dazu gehörten neben dem Wert der Ware auch die Versandkosten. Dazu könnten Beförderungskosten kommen, wenn das Paket in einem anderen EU-Land ankomme und erst nach Deutschland gebracht werden müsse. Auch solche Gebühren zählten zum Gesamtwert, erklärt die Stiftung Warentest.



Immer wenn eine Bestellung inklusive Versand mehr als 22 Euro koste, müsse in der Regel Einfuhrumsatzsteuer gezahlt werden. Die Höhe der Steuer entspreche der deutschen Mehrwertsteuer. Meist seien es 19, selten sieben Prozent. Als Beispiel rechnet die Stiftung Warentest vor, dass bei einem T-Shirt aus den USA mit einem Gesamtwert von 45 Euro eine Einfuhrumsatzsteuer (19 Prozent) von 8,55 Euro anfallen würde. Lediglich bei sehr günstigen Waren falle in vielen Fällen keine Einfuhrumsatzsteuer an. Denn sie werde erst ab einem Steuerbetrag von fünf Euro erhoben. Würde das T-Shirt aus den USA einen Gesamtwert von 24,50 Euro haben, läge die Steuer bei 4,66 Euro. Der Käufer käme in diesem Fall steuerfrei davon.

Das wird jedoch nicht mehr lange der Fall sein. Eine von mehreren Änderungen, die die EU-Kommission bereits 2016 beschlossen hat, sieht vor, die sogenannte Zollfreigrenze von 22 Euro zum 1. Januar 2021 abzuschaffen. Dadurch soll der Mehrwertsteuer-Betrug eingedämmt werden und ausländische Versandhändler steuerlich nicht mehr bevorzugt werden, erklärt die EU-Behörde.

Vergleichen Wenn Waren inklusive Versand zusammen mehr als 150 Euro kosten, kämen häufig Zollgebühren dazu, erläutert die Stiftung Warentest. Wie viel das sei, hänge von drei Faktoren ab. Zum einen vom sogenannten Zollwert, das sei in der Regel der Warenwert inklusive Versand, also der Gesamtwert, erläutern die Tester. Ebenfalls entscheidend sei die Art der Ware, denn jedes Produkt habe einen bestimmten Zollsatz. Während digitale Fotoapparate beispielsweise zollfrei seien, liege der Zollsatz von analogen Fotoapparaten bei 4,2 Prozent, so die Stiftung Warentest. Schließlich mache auch das Herkunftsland einen Unterschied. Bei einigen Nicht-EU-Staaten müssten Zollgebühren bezahlt werden, darunter Industrieländer wie die USA, China und Japan.

Für bestimmte Waren werden laut den Testern außerdem Verbrauchssteuern fällig, unabhängig vom Gesamtwert. Das sei etwa der Fall bei Alkohol und Kaffee. Die Höhe dafür bemesse sich an der Warenmenge. Pro Liter reinem Alkohol fielen rund 13 Euro Steuern an, pro Kilogramm Röstkaffee 2,20 Euro. Auch hier gebe es viele Ausnahmen. Wein sei zum Beispiel von der Steuer befreit.

Wer Verbrauchssteuern vorab überschlagen wolle, solle sie zum Zollwert addieren und dann die Einfuhrumsatzsteuer ermitteln.

Bezahlen Wer auf eine Bestellung aus dem Ausland warte, solle ausreichend Bargeld bereithalten, rät die Stiftung Warentest. Der Paketbote verlange die Gebühren in bar an der Haustür. Zusätzlich zu den Einfuhrabgaben könnten Gebühren für den Paketdienst anfallen. Das sei zum Beispiel dann der Fall, wenn der Lieferer die Ware für den Empfänger beim Zoll anmelde. Bei der Anmeldung ermittle der Zoll, welche Gebühren für die Bestellung konkret fällig würden. In der Regel zeige die Rechnung auf dem Paket, was die Bestellung enthalte, so die Tester. So könnten Zollbeamte die Einfuhrabgaben ermitteln.

Der Paketdienst könne nur eine ausreichend gekennzeichnete Lieferung – also eine mit allen notwendigen Angaben – für den Empfänger beim Zoll anmelden. Klebe der Onlinehändler zum Beispiel keine Rechnung aufs Paket, könne der Zollbeamte nicht erkennen, was die Lieferung enthalte. Dann lande sie im Zollamt, wo der Empfänger das Paket unter Vorlage der Rechnung selbst anmelden und die fälligen Steuern und Gebühren zahlen muss.

Melde der Paketdienst hingegen die Ware beim Zoll an, zahle der Empfänger für diese Dienstleistung. Wie dieser Service heiße und wie hoch die Gebühr sei, unterscheide sich von Dienst zu Dienst. DHL Express etwa verlangt laut Stiftung Warentest eine sogenannte „Kapitalbereitstellungsprovision“ in Höhe von zwei Prozent des Gesamtwerts, mindestens aber 12,50 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Eine vergleichbare Gebühr der Deutschen Post nenne sich Auslagepauschale und betrage sechs Euro.

 Der Zoll prüft alle Pakete aus Nicht-EU-Ländern.
Der Zoll prüft alle Pakete aus Nicht-EU-Ländern. FOTO: picture alliance / Patrick Pleul / dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul
(mtn)