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Coronavirus und Wirtschaft in Rheinland-Pfalz
„Umsichtig reagieren“: Wie sich Corona auf Firmen auswirkt

Koblenz/Ludwigshafen/Bitburg. Firmen in Rheinland-Pfalz bereiten sich auf mögliche Gefahren durch Ausbreitung des Coronavirus und erwarten auch wirtschaftlich negative Folgen.

Unternehmen spüren bei ihren Geschäften oft die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus. Und sie können nicht ausschließen, dass einer ihrer Beschäftigten erkrankt. Zur Prävention haben zahlreiche Firmen Pandemiepläne vorbereitet.

Die Debeka Versicherungsgruppe (Koblenz) reagierte auf die Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 bereits Anfang März und aktivierte für ihre bundesweit 16 000 Mitarbeiter einen Teil ihres Pandemieplans. Neben dem Verzicht auf Dienstreisen wurde auch die Bilanzpressekonferenz kurzfristig abgesagt und als Online-Pressekonferenz durchgeführt. Auch auf Großveranstaltungen wird verzichtet. Damit gelten insbesondere für die 4000 Mitarbeiter am Hauptsitz in Koblenz besondere Vorschriften. So beinhaltet der Krisenplan vermehrtes Arbeiten im Homeoffice.

Der BASF-Konzern in Ludwigshafen besitzt seit der Sars-Epidemie 2003 einen stufenweisen Pandemieplan. Ein Krisenteam analysiert täglich die neuen Informationen über das Coronavirus. Wichtig sei, nicht in Panik zu verfallen, sondern schrittweise und umsichtig zu reagieren, betonte BASF-Chef Martin Brudermüller unlängst. Am Sonntag bestätigte BASF, dass ein in Ludwigshafen beschäftigter Mitarbeiter aus Neustadt/Weinstraße das Coronavirus hat (siehe Seite 12). Das Coronavirus wird nach Einschätzung des weltgrößten Chemiekonzerns die Weltwirtschaft deutlich belasten. Folgen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Sars-CoV-2 seien eine geringere Nachfrage und Produktionsausfälle in vielen Branchen, sagte BASF-Chef Brudermüller vor kurzem bei Vorlage der Jahreszahlen. Vor allem im ersten und zweiten Quartal rechnet BASF mit negativen Effekten. „Ich warne davor, zu früh Entwarnung zu geben, nur weil die Zahlen der Erkrankten in China zurückgehen“, unterstrich der BASF-Chef. Er erwarte nicht, dass die Coronavirus-Effekte im Jahresverlauf vollständig ausgeglichen werden können.



Auch die Bitburger-Braugruppe rechnet wegen des Coronavirus mit möglicherweise eintrübenden Geschäften im Ausland. Der Markt in Italien sei für das Unternehmen einer „der ganz großen Absatzmärkte“, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Axel Dahm, in Bitburg. Derzeit sei nicht absehbar, wie sich das Thema Coronavirus „auswirken wird in Bezug auf Gastronomie und in Bezug auf Veranstaltungen. Das könnte uns natürlich dort auch zurückwerfen“. Auch der Markt in China und in anderen asiatischen Ländern sei 2020 „schwierig“. 2018 hatte China bei der Gruppe noch einen Anteil von zehn Prozent am Auslandsgeschäft. 2019 sei der Anteil auf fünf Prozent gesunken. „Wir hatten uns vorgenommen, in China wieder aufzuholen. Aber das werden wir definitiv nicht hinbekommen“, sagte Dahm. Die Planungen vom vergangenen Herbst für 2020 seien „wieder Makulatur“.

Das Wirtschaftsministerium in Mainz trifft sich am Dienstag mit Wirtschafts-Vertretern. Dabei gehe es um einen Austausch zur Lage und zu möglichen Maßnahmen, um die Folgen der Coronaverbreitung für die Wirtschaft zu begrenzen.

Auch die Werke von Tadano und John Deere in Zweibrücken treffen Vorsorgemaßnahmen (Seite 7).