| 22:44 Uhr

Kreditinstitut zieht Bilanz
Commerzbank kratzt bei Kundschaft an 8000er-Marke

Die Commerzbank in Pirmasens zog eine durchaus ordentliche Jahresbilanz.
Die Commerzbank in Pirmasens zog eine durchaus ordentliche Jahresbilanz. FOTO: Daniel Reinhardt / picture alliance / dpa
Pirmasens. Verantwortliche zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr – Zwei Mitarbeiter weniger vor Ort in der Schloßstraße Von Marco Pacione

Von keinem brillanten aber einem gutem Geschäftsjahr der Commerzbank sprach diese Woche David Schüler, der für das Privatkundengeschäft in der Pfalz und im Saarland verantwortlich zeichnet, bei der Jahresbilanz des Kreditinstituts. Die Commerzbank in Pirmasens sei weiter auf Wachstumskurs, auch bei den Firmenkunden. Die Bank bekannte sich wie in den vergangenen Jahren zum Standort Pirmasens, allerdings sind in der Schloßstraße zwei Mitarbeiter weniger tätig. Schüler, der in Region auch Unternehmerkunden bis zu einem Umsatz von jährlich 15 Millionen Euro betreut, machte den Erfolg an mehreren Faktoren fest. Als erstes habe es die Commerzbank geschafft, in einem umkämpften und zersplitterten Markt die Zahl der Kunden bereits im vierten Jahr in Folge zu steigern. 150 Neukunden habe die Bank gewinnen können, 7800 seien es jetzt am Standort. „Wir kratzen an der 8000er-Marke, mit einem guten Geschäftsjahr könnten wir sie 2018 erreichen“, freute sich Schüler. Weil die Kundschaft nicht auf Bäumen wachse, profitiere die Commerzbank von Marktrückzügen der Konkurrenz, Unzufriedenheit bei anderen Häusern oder Weiterempfehlung wegen guter Erfahrungen. Vor allem durch das kostenlose Girokonto (ab einem Mindestgeldeingang von monatlich 1200 Euro und belegloser Kontoführung) punkte das Unternehmen. „Der Markt hasst uns dafür“, scherzte Schüler.

Ein zweiter Faktor seien die steigenden Kreditnachfragen aufgrund der Niedrigzinsphase. Das Kreditvolumen sei um zwölf Prozent auf rund 46 Millionen Euro gestiegen. Der größte Anteil daran habe die Baufinanzierung, doch auch der Ratenkreditbereich sei gewachsen. Auch das Einlagen- und Depotvolumen sei um sechs Prozent auf rund 62 Millionen Euro gestiegen. „Wertpapiergeldanlagen sind Trend. Das Sparschwein hat ausgedient“, unterstrich er. Trotzdem hätten die Deutschen traditionell immer noch viel Geld auf dem Sparbuch. Dies sei aber nicht empfehlenswert, weil es die Inflation auffresse.

Als weiteren Faktor gab Schüler die Fortschritte bei der Digitalisierung an. Kunden würden viele Bereiche der Bank mittlerweile online abdecken, aber längst nicht alles. Deshalb möchte die Commerzbank als Multikanalbank wahrgenommen werden und sieht sich entsprechend gerüstet. Mit Comdirect habe das Geldinstitut eine Direktbank an der Hand, auch dieser Bereich sei immer mehr im Kommen. Weitere digitale Angebote sind beispielsweise eine Baufinanzierungs-App und ein so genanntes Cash-Radar für Unternehmen, das vor Liquiditätsproblemen warnen soll. Doch auch das klassische Filialgeschäft soll nicht vernachlässigt werden. „Es sind keine Schließungen vorgesehen, am Standort Pirmasens halten wir fest“, erklärte Schüler, dass auch die digitalen Angebote vor Ort ausgeweitet werden sollen. 2020 sollen 80 Prozent der Prozesse digital funktionieren, aktuell seien es rund 50 Prozent.



Die Zahl der Mitarbeiter vor Ort in der Schloßstraße wurde um zwei reduziert, nur noch vier Personen sind dort fest beschäftigt. „Zwei Leute haben sich auf Stellen in Homburg beworben“, begründet Michael Baumann, verantwortlich für das Firmenkundengeschäft in der Pfalz. Kompensiert würden die fehlenden Mitarbeiter durch andere Kräfte, die von außen zu Terminen kämen. Beinahe 99 Prozent des Firmenkundengeschäfts finde zudem sowieso auswärts statt. Ein weiterer Firmenkundenberater stehe kurz vor seinem Ruhestand. Bei der Frage nach einer Nachfolge und ob es überhaupt eine gibt, gab sich Baumann zurückhaltend. Dazu wollten sich die Verantwortlichen erst mit den Mitarbeitern und den Kunden unterhalten.