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Bundesbank-Chef Axel Weber wirft die Brocken hin

Frankfurt. Die Tage von Axel Weber an der Bundesbank-Spitze sind gezählt. Eine weitere Amtszeit als Chef der Notenbank schließt der 53-Jährige aus. Wie gestern aus seinem direkten Umfeld verlautete, sieht Weber seine Aufgabe als weitgehend erfüllt an Von Jörn Bender und Matthias Armborst (dpa)

Frankfurt. Die Tage von Axel Weber an der Bundesbank-Spitze sind gezählt. Eine weitere Amtszeit als Chef der Notenbank schließt der 53-Jährige aus. Wie gestern aus seinem direkten Umfeld verlautete, sieht Weber seine Aufgabe als weitgehend erfüllt an. Die unmittelbare Finanz- und Wirtschaftskrise sei bewältigt und die mittlerweile eingesetzte Beruhigung der europäischen Finanzmärkte dürfte sich fortsetzen. Damit nahe nun der geeignete Zeitpunkt, die Bundesbank auch personell für das neue Jahrzehnt aufzustellen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung will Weber sein Amt schon im Sommer niederlegen.Gestern Vormittag hatte es zunächst Hinweise auf einen sofortigen Rücktritt gegeben. Gleichzeitig verdichteten sich Spekulationen über einen Wechsel des 53-Jährigen zur Deutschen Bank, deren Chefsessel spätestens im Mai 2013 frei wird. Laut Beobachtern scheidet Weber nun aus dem Rennen um die EZB-Präsidentschaft aus. An den Finanzmärkten sorgten die Berichte kurzzeitig für Verunsicherung.

Weber hatte in einer vertraulichen Runde am Dienstagabend angedeutet, dass er "nicht unbedingt eine zweite Amtszeit" bei der Deutschen Bundesbank anstrebt. Der Wirtschaftsprofessor führt die Notenbank seit dem 30. April 2004, die Amtszeit beträgt acht Jahre. Weder die Bundesbank noch die Deutsche Bank oder Weber wollten sich zu dem möglichen Wechsel äußern.

Neben seinem italienischen Amtskollegen Mario Draghi wurde Weber wiederholt als heißester Anwärter auf den Chefsessel der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelt. Offiziell nominiert hatte ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jedoch noch nicht.



Gestern am späten Vormittag telefonierten die Kanzlerin und Weber miteinander: Es habe sich um ein vertrauliches Gespräch gehandelt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Zu Inhalten wollte er sich nicht äußern. Gerüchte über einen Rückzug Webers von der Bundesbank-Spitze werde die Regierung nicht kommentieren. Wer Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet werde, sei derzeit kein Thema. Ein potenzieller Nachfolger Webers für das Bundesbank-Amt sitzt im Kanzleramt: Dem Wirtschaftsberater Merkels, Jens Weidmann, trauen Beobachter den Spitzenjob zu.

Ein Nachfolger von EZB-Präsident Trichet soll am 1. November antreten. Gegen eine Berufung Webers auf den europäischen Spitzenposten hatte es Vorbehalte gegeben: Der gebürtige Pfälzer tritt als geldpolitischer Hardliner auf und hatte im vergangenen Jahr wiederholt Kritik am Kurs der EZB in der Schuldenkrise geäußert. Seit 2010 kauft die europäische Zentralbank Staatsanleihen hochverschuldeter Euro-Länder auf, um die Währung zu stabilisieren. Weber hatte dies öffentlich wegen der "damit verbundenen stabilitätspolitischen Risiken" kritisiert.

Der Job von Deutsche-Bank-Chef Ackermann wird spätestens zur Hauptversammlung 2013 frei. Der Schweizer hat eine Verlängerung seines Vertrags mehrfach ausgeschlossen und die Suche nach seinem Nachfolger zur Chefsache erklärt. Bei der Bilanzvorlage des Dax- Konzerns in der vergangenen Woche hatte Ackermann bekräftigt, die Suche laufe.