| 22:10 Uhr

Debatte um Zukunft des Standorts
Bosch hat in Homburg 400 Jobs abgebaut

 Das Bosch-Werk Homburg ist auf Komponenten für Dieseleinspritzsysteme spezialisiert. Die Diesel-Krise trifft den Standort daher hart.
Das Bosch-Werk Homburg ist auf Komponenten für Dieseleinspritzsysteme spezialisiert. Die Diesel-Krise trifft den Standort daher hart. FOTO: Bosch
Homburg/Stuttgart. Die Zahl der Mitarbeiter bei Bosch in Homburg geht weiter zurück. Betriebsrat und IG Metall drängen auf Alternativen zur Diesel-Technologie. Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Die Dieselkrise hat beim Zulieferer Bosch im vergangenen Jahr zahlreiche Arbeitsplätze in der Antriebstechnik gekostet. In den Werken in Homburg und im bayerischen Bamberg seien insgesamt 600 Stellen abgebaut worden, sagte der zuständige Bereichsvorstand Uwe Gackstatter der Branchenzeitung „Automobilwoche“. Davon allein in Homburg 400, wie ein Sprecher des Unternehmens sagte. 300 befristete Arbeitsverträge seien nicht verlängert worden. Weitere 100 Stellen seien über Vorruhestandsregelungen und die normale Fluktuation weggefallen. Rund 4100 Beschäftigte hat nach Angaben des Sprechers das Homburger Werk noch. Vor Jahren hatte es weit mehr als 5000 Beschäftigte. Dort werden Komponenten für Dieseleinspritzsysteme gefertigt – für Autos und Lastwagen. Im Lkw-Sektor sei die Auftragslage nach wie vor gut, so dass die Produktion im Drei-Schicht-Betrieb laufe, sagte der Bosch-Sprecher. Anders in der Auto-Sparte. Da die Nachfrage nach Diesel-Autos sinke, riefen die Kunden weniger Komponenten dafür bei Bosch ab. Bei dem Zulieferer hängen weltweit rund 50 000 Arbeitsplätze am Diesel, davon rund 15 000 in Deutschland.

Die Gewerkschaft IG Metall erwartet, dass der Personalabbau in Homburg weitergeht, wenn das Unternehmen nicht neue Produkte an den Standort bringt. Betriebsbedingte Kündigungen seien zwar nicht zu befürchten, sagte der erste Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz, Ralf Reinstädtler. Doch „die Mitarbeiterzahl ist wegen des hohen Altersdurchschnitts kontinuierlich rückläufig“. In den kommenden Jahren sei sogar „ein drastischer Personalabbau“ zu befürchten, weil zunehmend Mitarbeiter über Vorruhestandsregegelungen ausscheiden. „Wir brauchen daher dringend andere Produkte als den Diesel“, sagte Reinstädtler. Andernfalls sieht er den Standort auf Dauer in Gefahr. Hier gehe es um den „Erhalt von Industriearbeitsplätzen in der Region“.

Der Betriebsrat hat nach Angaben des Gewerkschafters Vorschläge für die Zukunft des Standorts erarbeitet. Eine „Transformations-Vereinbarung vom Diesel zu neuen Produkten“ ist demnach das Ziel in Gesprächen mit dem Management. „Wir wollen zügig verhandeln und bis Sommer eine Klärung“, sagte Reinstädtler. Bosch sei auf vielen Zukunftsfeldern aktiv. Man müsse aber die Vorstände überzeugen, die Fertigung entsprechender Produkte auch nach Homburg zu geben: zum Beispiel Brennstoffzellen-Technik oder Sensorik für autonomes Fahren.



Das Unternehmen sieht dies nicht grundsätzlich anders, wie der Sprecher sagte. Bosch „ist daran interessiert, Geschäft in die Standorte zu bringen, die von den Diesel-Rück­gängen betroffen sind“. Es liefen konkrete Planungen. Die Brennstoffzelle – für stationäre und mobile Anwendungen – könnte eine „zentrale Rolle spielen“. Der Unternehmenssprecher will aber auch die Diesel-Technik noch nicht abschreiben. „Den Diesel brauchen wir in der Zukunft.“ Weil die Motoren weniger CO2 ausstoßen als Benziner. Und mit der neuesten Bosch-Technik könne man auch den Ausstoß von Stickoxid weit unter die Grenzwerte senken. Der Firmensprecher schließt einen Anstieg der Diesel-Verkaufszahlen nicht aus. Das würde dann auch Beschäftigung in Homburg sichern.