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Krise in der Autoindustrie
Gewinn bei Bosch bricht um 44 Prozent ein

 Die Bosch-Gruppe insgesamt erzielte 2019 einen Umsatz von 77,9 Milliarden Euro. Der operative Gewinn sackte auf rund drei Milliarden Euro ab.
Die Bosch-Gruppe insgesamt erzielte 2019 einen Umsatz von 77,9 Milliarden Euro. Der operative Gewinn sackte auf rund drei Milliarden Euro ab. FOTO: dpa / Marijan Murat
Stuttgart. Der Konzern stellt sich auf weitere magere Jahre in der Autoindustrie ein. Der IG Metall zufolge verdichtet sich die Krise. dpa

Beim weltweit größten Automobilzulieferer Bosch ist der Gewinn im vergangenen Jahr kräftig zurückgegangen. Der Konzern stellt sich auf eine jahrelange Durststrecke in der Autoindustrie ein. Dagegen wappnen will sich Bosch mit Investitionen.

Die Bosch-Gruppe insgesamt erzielte 2019 einen Umsatz von 77,9 Milliarden Euro und konnte damit zumindest das Niveau des Vorjahres halten. „In Anbetracht der Lage um uns herum können wir damit zufrieden sein“, sagte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Bosch habe vor allem den deutlichen Absatzeinbruch in den wichtigen Märkten China und Indien zu spüren bekommen, dazu eine gesunkene Nachfrage nach Diesel-Autos.

Nicht zufrieden zeigte sich Asenkerschbaumer mit dem Ergebnis: Der operative Gewinn sackte von 5,4 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf rund drei Milliarden Euro und damit um rund 44 Prozent ab. Von seinem Kurs, mit hohen Investitionen neue Technologien und Geschäftsmodelle anzuschieben, die das schwindende Verbrenner-Geschäft ausgleichen sollen, will Bosch dennoch nicht abweichen. Wie der Vorsitzende der Geschäftsführung, Volkmar Denner, am Dienstagabend sagte, sollen in diesem Jahr 500 Millionen Euro in die Elektromobilität fließen, dazu 600 Millionen in das automatisierte Fahren und 100 Millionen in Technologien zur Vernetzung.



Dafür muss Bosch an anderer Stelle sparen. „Der technologische Wandel ist für uns ein finanzieller Kraftakt, auch wenn er sich nach unserer Überzeugung letztlich auszahlen wird“, betonte Denner.

Der Geschäftsbereich „Mobility Solutions“ bringt mehr als die Hälfte des gesamten Umsatzes der Gruppe ein. Zugleich schlägt dadurch die Schwäche der Autoindustrie aber auch voll auf Bosch durch. Denner geht davon aus, dass die Zahl der weltweit produzierten Autos in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge sinken wird. „Möglicherweise ist der Zenit der Automobilproduktion damit schon überschritten“, sagte er. „Wir stellen uns jedenfalls auf ein gleichbleibendes Niveau in den kommenden Jahren ein rechnen vor 2025 nicht mit einer Steigerung.“

Eine Umfrage der Gewerkschaft IG Metall zeigt die schwierige Situation in der Autoindustrie. Der Bezirk Mitte hat unter den Betrieben in den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen 141 Krisenherde identifiziert, erklärte Bezirkschef Jörg Köhlinger. „Das reicht von der Abmeldung von Leiharbeitern bis zur möglichen Insolvenz“, sagte der Gewerkschafter. Besonders verdichtet sei die Krise im Saarland, wo zusätzlich die Stahlindustrie große Probleme habe. Allgemein sieht die IG Metall eine konjunkturelle Delle und Schwierigkeiten bei Digitalisierung und der Umstellung auf elektrische Antriebe. Köhlinger kritisierte Großunternehmen wie Bosch und Continental, die in den vergangenen Jahren mit Hilfe ihrer Mitarbeiter hohe Gewinne erwirtschaftet hätten, nun aber tausende Arbeitsplätze in Frage stellten.