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Boehringer wieder auf Wachstumskurs

Ingelheim. Bei Deutschlands zweitgrößtem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim stehen die Zeichen nach einer kurzen Durststrecke wieder auf Wachstum. "2011 konnten wir wieder deutlich über dem Markt zulegen", sagte der Sprecher der Unternehmensleitung, Andreas Barner, gestern bei der Vorlage der Bilanz für 2011 in Ingelheim bei Mainz Von Elke Pfeifer und Andrea Löbbecke (dpa)

Ingelheim. Bei Deutschlands zweitgrößtem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim stehen die Zeichen nach einer kurzen Durststrecke wieder auf Wachstum. "2011 konnten wir wieder deutlich über dem Markt zulegen", sagte der Sprecher der Unternehmensleitung, Andreas Barner, gestern bei der Vorlage der Bilanz für 2011 in Ingelheim bei Mainz. Anders als Konkurrenten wie der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA wuchsen die Ingelheimer 2011 im Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten mit 8,2 Prozent deutlich stärker als der weltweite Pharmamarkt, der lediglich um 4,6 Prozent zulegte.Die Führungsmannschaft des nicht börsennotierten Familienkonzerns, der 2010 sein 125-jähriges Jubiläum feierte, zeigte sich zuversichtlich für 2012 und die kommenden Jahre. Mit Produkten wie dem Gerinnungshemmer Pradaxa, dem Diabetesmittel Trajenta und dem derzeit stärksten Umsatzbringer, dem Atemwegsmittel Spiriva, will der Bayer-Konkurrent eine neue Wachstumsphase einläuten. "Wir gehen davon aus, dass wir 2012 im hohen einstelligen Bereich wachsen werden", sagte Barner. Das operative Ergebnis soll sich verbessern und die Profitabilität weiter steigen. Wichtige Patentabläufe stünden erstmal nicht an. "Wir erwarten jetzt über die nächsten Jahre ein sehr stabiles Wachstum", sagte Barner.

Boehringer Ingelheim investierte 2011 mehr als ein Fünftel seines Umsatzes mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Forschung und Entwicklung - das ist deutlich mehr als im Branchendurchschnitt. Doch hohe Forschungskosten sind kein Selbstläufer, wie ein Blick auf Merck KGaA zeigt: Der Dax-Konzern investierte in den vergangenen Jahren ebenfalls um die 20 Prozent seines Pharmaumsatzes in die Medikamentenentwicklung - ohne großen Erfolg. Merck-Chef Karl-Ludwig Kley stimmte die Aktionäre auf eine Durststrecke ein. In den kommenden Jahren seien Kostensenkungen, Personalabbau und eine Verschlankung der Organisation vorrangig. Am Dienstag folgte die Mitteilung über die Schließung der Zentrale ihrer für Milliarden zugekauften Biotech-Tochter Serono in Genf. Hunderte Arbeitsplätze werden gestrichen.

Als einen Garant für Erfolg sehen Boehringer-Vorstandssprecher Barner und Hubertus von Baumbach von der Eigentümerfamilie auch die Unabhängigkeit des Unternehmens. Statt auf große Übernahmen zu setzen, sei das strategische Ziel weiter organisches Wachstum. "Wenn sich allerdings was ergibt, was man kaufen kann", dann seien kleinere Zukäufe von Produkten durchaus ein Thema, sagte Barner.



Bei der Entwicklung neuer Medikamente setzen die Ingelheimer auch auf Kooperationen. So wurde etwa gemeinsam mit dem US-Amerikanischen Pharmakonzern Eli Lilly das Diabetesmittel Trajenta entwickelt, über dessen Preis in Deutschland derzeit mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen verhandelt wird.