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Boehringer Ingelheim rechnet weiter mit Umsatzwachstum

Ingelheim. Trotz des Wirbels um das neue Medikament Pradaxa sieht Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sein prognostiziertes Umsatzwachstum für 2011 nicht in Gefahr. "Die Prognose steht", sagte der Sprecher der Unternehmensleitung, Andreas Barner, gestern in Ingelheim

Ingelheim. Trotz des Wirbels um das neue Medikament Pradaxa sieht Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sein prognostiziertes Umsatzwachstum für 2011 nicht in Gefahr. "Die Prognose steht", sagte der Sprecher der Unternehmensleitung, Andreas Barner, gestern in Ingelheim. Für das laufende Jahr peilt die Unternehmensleitung nach einer Stagnation 2010 ein Wachstum bei den Erlösen "im mittleren einstelligen Bereich" an. Neue Medikamente wie der Gerinnungshemmer Pradaxa und das jüngst auch in Europa zugelassene Diabetesmittel Trajenta sollen bei dem Bayer-Konkurrenten 2011 wieder für einen Wachstumsschub sorgen. Allein mit Pradaxa wollen sie im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 450 Millionen Euro weltweit generieren.Im Vorjahr hatte der Umsatz des nicht börsennotierten Familienkonzerns mit 12,6 Milliarden Euro unter dem Niveau von 2009 (12,72 Milliarden Euro) gelegen. Der Gewinn war wegen der Konkurrenz billigerer Nachahmermedikamente und Belastungen durch die Gesundheitsreform eingebrochen.

Um Pradaxa hatte es in den vergangenen Wochen Diskussionen gegeben, nachdem Ärzte weltweit rund 260 Verdachtsfälle tödlicher innerer Blutungen gemeldet hatten. Boehringer Ingelheim wies Kritik an der Wirksamkeit und Sicherheit des Gerinnungshemmers zurück, der als Thrombosevorsorge nach Operationen und seit Ende 2010 zur Vorbeugung gegen Schlaganfälle bei Patienten mit Vorhofflimmern zugelassen ist. Bei allen Medikamenten zur Blutverdünnung könne es zu unerwünschten Blutungen kommen, sagte Barner. Aussagen über Verschreibungszahlen machte er nicht. Nur soviel: Konzernweit sei Pradaxa derzeit weltweit das Medikament mit dem viertgrößten Umsatz. Der Gerinnungshemmer gilt als künftiges Milliardengeschäft des Konzerns. Spitzenreiter ist derzeit das Atemwegsmittel Spiriva.

Die Zahl der Verdachtsfälle tödlicher Blutungen liege bei Pradaxa sogar noch unter der, die nach der Zulassungsstudie zu erwarten gewesen wäre, sagte Barner im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. "Die Diskussion, dass gerinnungshemmende Mittel wie Pradaxa oder ältere Produkte wie Marcumar oder Warfarin zu Blutungen führen können, ist richtig und notwendig", ergänzte er. Es könne nur im Interesse von Boehringer sein, wenn sowohl Ärzte wie auch Patienten über mögliche Nebenwirkungen informiert seien. Am Montag wurde in Ingelheim eine neues Pradaxa-Produktionsgebäude offiziell in Betrieb genommen. dpa



Stichwort

Der Gerinnungshemmer Pradaxa wird bei Boehringer Ingelheim in einem eigenen, neuen Betrieb produziert. In das Gebäude wurden nach Angaben des Pharmakonzerns 160 Millionen Euro investiert. Mit dem Geld war eine bestehende Produktion bis Ende 2008 modernisiert und dann nochmals ausgebaut worden. Nun können jährlich 1,5 Milliarden Kapseln des Medikaments hergestellt werden. Herzstücke der neuen Anlage sind "Wirbelschichtcoater", die sich über drei Stockwerke erstrecken. Mit ihrer Hilfe wird der Wirkstoff Dabigatran auf kleine Kügelchen aus Weinsäure aufgebracht. dpa