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BMW-Chef will seinen Posten abgeben
BMW-Chef Krüger hört überraschend auf

 BMW-Vorstandschef Harald Krüger will die Führung des Unternehmens spätestens mit Vollendung seines Vertrages 2020 abgeben. Das hat er gestern klargestellt.
BMW-Vorstandschef Harald Krüger will die Führung des Unternehmens spätestens mit Vollendung seines Vertrages 2020 abgeben. Das hat er gestern klargestellt. FOTO: dpa / Tobias Hase
München. BMW-Vorstandschef Harald Krüger will seinen Posten aufgeben. Der Aufsichtsrat muss nun am 18. Juli einen Nachfolger suchen. dpa

Der Autohersteller BMW muss sich mitten im Umbruch der Autoindustrie einen neuen Chef suchen. Vorstandschef Harald Krüger will aufhören – spätestens mit Ablauf seines laufenden Vertrages im April kommenden Jahres. Das teilte der Autokonzern gestern in München mit. Über Krügers Nachfolge will der Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung am 18. Juli beraten. Für den Posten gelten Produktionsvorstand Oliver Zipse und Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich als Favoriten.

Der 53-jährige Krüger steht seit vier Jahren an der Spitze des Konzerns. Spekulationen über seinen Rückzug hatte er auf der Bilanzpressekonferenz im März schon selbst befeuert, weil er nicht einmal die Frage beantworten wollte, ob ihm sein Job Spaß mache, ob er denn noch einmal zur Verfügung stehe. Nun machte Krüger klar, dass er nicht mehr will. In der Autoindustrie habe es in den vergangenen Jahren mehr Umbrüche gegeben als in 30 Jahren zuvor, erklärte er. Das habe von „jedem Mitarbeiter enorme Kraftanstrengungen verlangt“. Nach zehn Jahren im Vorstand, davon vier als Chef, „will ich mich nun beruflich neu orientieren“. Krüger gilt als Mann, der sich von anderen Managertypen abhebt, dem auch andere Dinge etwas bedeuten, als das Alphatier an der Spitze zu sein.

Schon Krügers Start stand unter keinem guten Stern: Kurz nach seinem Amtsantritt 2015 war er bei einer Präsentation auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt zusammengebrochen. Die große Bühne ist nicht die seine: Bei Präsentationen und vorbereiteten Reden wirkt Krüger oft wie auf fremdem Terrain – es liegt ihm eher, frei zu sprechen oder im Gespräch auf Fragen zu antworten. Kritiker warfen ihm Zaghaftigkeit bei der Ausrichtung des Konzerns vor – etwa, weil BMW seit dem i3 im Jahr 2013 kein neues Elektroauto auf den Markt gebracht und so Tesla und anderen Konkurrenten Platz gemacht habe. BMW schloss unter seiner Führung strategische Partnerschaften beim autonomen Fahren mit dem US-Chipkonzern Intel und mit dem Stuttgarter Konkurrenten Daimler. BMW und Daimler legten ihre Carsharing- und Mobilitätsdienste komplett zusammen. Und als erster Autohersteller überhaupt wird BMW die Mehrheit an seinen Werken in China übernehmen – mit dem Segen der Führung in Peking.



Auf der Hauptversammlung im Mai beklagten Aktionäre allerdings sinkende Gewinne, den schwachen Aktienkurs und die gekürzte Dividende. Im Diesel-Skandal konnte BMW bisher keine Manipulation nachgewiesen werden, aber wegen technischen Absprachen mit anderen Autobauern droht dem Konzern eine Kartellstrafe der EU, wofür das Unternehmen schon 1,4 Milliarden Euro beiseite gelegt hat.

Auch in diesem Jahr wird das mittelfristige Renditeziel im Kerngeschäft aller Voraussicht nach nicht erreicht. Vor allem aber hat BMW 2016 unter Krüger die Führung im weltweiten Verkauf von Premium­autos an den Erzrivalen Mercedes-Benz verloren. Dass BMW derzeit wieder im Aufwind ist dank vieler frischer SUV-Modelle, kommt für Krüger im Wettkampf ums Prestige wohl zu spät. 2020 wollte er die Marke BMW im Absatz wieder vor Mercedes-Benz sehen. Der Aufsichtsrat kommt übernächste Woche im US-Werksstandort in South Carolina zusammen. Knapp die Hälfte der Aktien und Stimmrechte halten die Geschwister Susanne Klatten und Stefan Quandt, die beide selbst im Aufsichtsrat sitzen. Eine Schlüsselrolle dürfte dabei Reithofer zukommen, der vom Vorstandsvorsitz 2015 auf den Chefposten des Kontrollgremiums wechselte. Traditionell kommen Vorstandschefs bei BMW aus den eigenen Reihen. 2015 hatte sich der damalige Produktionschef Krüger gegen den damaligen Entwicklungschef Herbert Diess durchgesetzt, der darauf nach Wolfsburg wechselte und heute VW-Konzernchef ist. Krüger galt als der bessere Teamplayer und hatte die Rückendeckung der Quandts.

Oliver Zipse wurde 2015 als Nachfolger von Krüger zum Produktionsvorstand berufen. Der Maschinenbau-Ingenieur leitet das Werksnetz effektiv und geräuschlos. Er hat gegenüber Klaus Fröhlich den Vorteil, dass er erst 55 Jahre alt ist. Der 59-jährige Fröhlich hat BMW technologisch vorangetrieben und die Partnerschaft mit Daimler beim autonomen Fahren besiegelt. Allerdings gilt bei BMW konzernintern eine Altersgrenze von 60 Jahren für Vorstände.