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Telefonische Kundenberatung vor dem Aus
Bertelsmann schließt Saar-Service-Center Arvato

Das Telefonservice-Center Arvato wird geschlossen (Symbolbild).
Das Telefonservice-Center Arvato wird geschlossen (Symbolbild). FOTO: dpa / A3250 Oliver Berg
Heusweiler. Mitte kommenden Jahres soll in Eiweiler Schluss sein. Knapp 300 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Das Telefonservice-Center Arvato wird Mitte kommenden Jahres geschlossen. Das teilte die Geschäftsführung der Bertelsmann-Tochter der Belegschaft gestern mit. Betroffen davon sind knapp 300 Mitarbeiter. Hintergrund der Schließung sei „die fehlende Wirtschaftlichkeit des Betriebes“, heißt es in einer Arvato-Mitteilung. Das im Heusweiler Ortsteil Eiweiler beheimatete Center habe „trotz einer Vielzahl von getroffenen Maßnahmen“ nicht mehr die Gewinnzone erreicht. Zu diesen Maßnahmen habe unter anderem „die Gewinnung von Neukunden und die Einführung einer neuen Organisationsstruktur“ gehört. „Insbesondere die stetige Verkleinerung des Standorts und die negativen kaufmännischen Ergebnisse der vergangenen Jahre führen dazu, dass eine wirtschaftliche Fortführung des Service-Centers in Eiweiler leider nicht möglich ist“, heißt es in der Arvato-Mitteilung weiter.

Die Belegschaft sieht das anders. „Wir haben sehr engagiert gearbeitet, und man hat uns immer wieder gesagt, dass der Standort gesichert ist“, erzählten gestern Mitarbeiter. In Eiweiler seien sehr gute Kunden betreut worden, unter anderem der Versicherungskonzern HDI, die Deutsche Telekom oder der Energieversorger Eon. Noch vor drei Wochen sei ihnen in einer Belegschaftsversammlung gesagt worden, dass sich nur der Name ändere, wenn Bertelsmann seine Tochter Arvato CRM Solutions, zu der auch das Center in Heusweiler gehört, in ein neues Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) einbringt.

Dieser Prozess ist inzwischen im Gange. So wollen Bertelsmann und die marokkanische Unternehmensgruppe Saham das Geschäft des Kundenbeziehungs-Managements (Customer Relationsship Management, CRM) zusammenlegen. „Das neue Unternehmen wird mit rund 48 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 25 Ländern einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften“, heißt es in einer Bertelmanns-Stellungnahme von Mitte September. Das Geschäft ist allerdings noch nicht perfekt. Es fehlt noch die Zustimmung der Kartellbehörden.



Die Arvato-Mitarbeiter in Heusweiler sehen sich als Opfer dieser Fusion. „Bertelsmann macht die Braut schön, um den Saham-Managern ein blitzblankes Unternehmen zu präsentieren.“ Von Bertelsmann gab es zu dieser Mutmaßung keine Stellungnahme.

Als nächstes sollen jetzt „umgehend Verhandlungen mit den Arbeitnehmer-Vertretern“ aufgenommen werden, um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan zu verhandeln“, heißt es in der Bertelsmann-Mitteilung weiter. „Wir werden den Betriebsrat dabei nach Kräften unterstützen“, sagt Detlev Uthe, der als Sekretär der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) für Arvato zuständig ist. „Es wird nicht so sein, dass Bertelsmann die Belegschaft über den Tisch ziehen kann.“ In den nächsten Wochen will die IG BCE zudem genauer untersuchen, „ob diese wirtschaftliche Schieflage überhaupt besteht“, meint Uthe. „Wir sind kampfbereit.“

(low)