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Arbeitsagentur berät
Helfer auf der Suche nach einer Berufung

Michael Lesch ist Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Saarbrücken.
Michael Lesch ist Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Saarbrücken. FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Wer nach der Schule nicht weiß, wohin der Berufsweg gehen soll, kann sich bei der Arbeitsagentur von Spezialisten Rat einholen. Von Joachim Wollschläger

(jwo) Schule, was dann? Diese Frage stellen sich viele Schüler im Saarland. Und bleiben sich selbst die Antwort häufig schuldig. Was tun, wenn die Schulzeit endet und dann plötzlich Entscheidungen fallen sollen, die das gesamte Leben betreffen?

Der Übergang von der Schule ins Berufsleben oder die weitergehende Ausbildung ist für viele Schüler ein extremer Entwicklungsschritt. Während die Schule einen weitgehend geregelten Alltag vorgibt, müssen sich die Schüler nun selber festlegen, wie es weitergehen soll. „Es gibt natürlich eine Gruppe von Schülern, die schon sehr genau weiß, was sie später machen will“, sagt Michael Lesch, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Saarbrücken. „Häufig ist der Weg dann durch die Eltern mitbestimmt, wenn Arztkinder beispielsweise Medizin studieren wollen.“ Viele andere haben dagegen kaum eine Vorstellung, was sie in welchem Beruf erwartet.

Für Lesch, der in der Agentur auf die Beratung von Abiturienten spezialisiert ist, geht es erst einmal darum, die Vorlieben und jeweiligen Stärken zu erfragen: Welche Fächer mögen sie gerne, was machen sie in ihrer Freizeit, bei welchen Tätigkeiten fühlen sie sich gut. „Das gibt schon ein Bild, in welche Richtung es gehen könnte – und wovon sie die Finger lassen sollten.“



Zeigt sich die Vorliebe für ein bestimmtes Berufsfeld, geht er mit den Interessenten noch weiter in die Tiefe. „Bei Biologie beispielsweise gibt es unterschiedlichste Schwerpunkte. Vom Zoo über die Botanik bis hin zu Pharma- und Umwelt-Forschung gibt es zahlreiche Betätigungsmöglichkeiten.“ Zu viele, um sie alle in der ersten Beratung zu erläutern.

Eine Stunde Zeit nimmt sich Lesch für das erste Gespräch. Doch das Gesetz schreibt so viel Beratung vor, wie es der Ratsuchende benötigt. Nicht immer muss das allerdings persönliche Beratung sein: „Wir haben mittlerweile sehr viele Beratungsangebote im Internet, mit denen die Schüler sich in der Tiefe informieren können.“ Auf der Seite Berufenet der Arbeitsagentur können Schüler beispielsweise nach Berufs-, Tätigkeits- oder Studienfeldern suchen und sich mit Steckbriefen, Fotos und Filmen informieren. Auf Wunsch stehe aber auch weiterhin ein Berater zur Verfügung, sagt Lesch. Denn letztlich gehe es immer darum, wirklich den passenden Beruf zu finden. „Die richtige Berufswahl ist der entscheidende Schlüssel für die Zukunft und eine sehr gute Basis für eine auf Dauer zufriedenstellende Berufstätigkeit“, sagt auch Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit.

Während es bei den Abiturienten vor allem um die Frage des Studienfachs geht – rund drei Viertel der Absolventen gehen an die Uni –, geht es bei Fachoberschule oder Gemeinschaftsschule auch oft darum, eine passende betriebliche Ausbildung zu finden. Hier, sagt Lesch, sind er und seine Kollegen nicht nur Berater, sondern auch Begleiter: „Wir helfen dann beispielsweise beim Bewerbungsverfahren oder bei beruflichen Trainings“, sagt Lesch. Und begleiten auch den Bewerbungsprozess. Und bei Schülern, die so gar nicht wissen, was sie wollen, bietet die Arbeitsagentur auch berufspsychologische Eignungstests an.

Grundsätzlich empfiehlt Lesch den Schülern, in das von ihnen bevorzugte Berufsfeld schon einmal reinzuschnuppern. Mittlerweile sei das in der Schulwelt auch schon recht gut etabliert. Mehrwöchige Berufspraktika gehörten in mehreren Klassenstufen bereits zum Standard. So könnten die Kinder schon einmal schauen, wie es im Berufsalltag aussieht. Und denen, die studieren wollen, rät er auch zu einem Schnupperstudium. „Viele Hochschulen ermöglichen es Schülern, schon im Vorfeld mal Vorlesungen zu besuchen und mit den Professoren in Kontakt zu kommen, um zu sehen, was im Studium auf sie zukommt“, sagt Lesch.

Natürlich könne es auch trotz der Beratung zu Fehlentscheidungen kommen – mit der Folge, dass die Betroffenen eine Ausbildung oder ein Studium abbrechen. Verplempert sei diese Zeit jedoch nicht, weil sie Lebenserfahrung bringe, sagt Lesch. „Verplempert ist es eher, wenn man etwas Falsches durchzieht und es dann ein Leben lang bereut.“