| 20:37 Uhr

Hoffen auf Synergien durch Zusammenschluss
Bank 1 Saar peilt weitere Fusion an

 Das Gebäude der Bank 1 Saar in der Kaiserstraße in Saarbrücken.  Insgesamt beschäftigt die Bank nach dem Zusammenschluss mit der Volksbank St. Wendeler Land nun 770 Mitarbeiter.
Das Gebäude der Bank 1 Saar in der Kaiserstraße in Saarbrücken.  Insgesamt beschäftigt die Bank nach dem Zusammenschluss mit der Volksbank St. Wendeler Land nun 770 Mitarbeiter. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Die größte Volksbank im Saarland will ihren Wachstumskurs fortsetzen. Der Zusammenschluss mit der Volksbank St. Wendeler Land soll nicht der letzte gewesen sein. Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Nach der Fusion ist für die Bank 1 Saar vor der Fusion. Daran lässt Carlo Segeth, Vorstandschef der größten Volksbank im Saarland, keinen Zweifel. Das vergangene Jahr stand für die Bank im Zeichen des Zusammenschlusses mit der Volksbank St. Wendeler Land. 800 Millionen Euro Bilanzsumme, also Gesamtvermögen beziehungsweise Gesamtkapital, sind dadurch dazugekommen. Die Bank 1 Saar ist jetzt ein Vier-Milliarden-Institut, wie Segeth am Freitag bei der Präsentation des ersten Jahresabschlusses der fusionierten Bank sagte. Genau sind es demnach 4,066 Milliarden Euro.

Nach seiner Auffassung wird die Welle der Bankenzusammenschlüsse weitergehen. Das liege an dem Druck in der Branche, der unter anderem durch Niedrigzinsen und steigende Anforderungen der Bankenregulierung entstehe. Die Bank 1 Saar sieht sich in einer Position der Stärke und will auch in Zukunft durch Zusammenschlüsse wachsen. „Wir sind weiterhin offen für Fusionen – sehr offen“, sagt Segeth. Umsetzen möchte er das gerne nach dem Modell des Zusammengehens mit der St. Wendeler Volksbank – ohne betriebsbedingte Kündigungen und mit Erhalt des Namens der hinzukommenden Bank als bewährte Marke. Ein konkretes neues Fusionsprojekt habe die Bank 1 Saar aber noch nicht. Fünf Volksbanken gibt es noch im Saarland. Das bedeute unter anderem fünf Mal Risiko-Controlling, Marketing, Bilanzierung. Der saarländische Markt sei zu klein für fünf Volksbanken. Durch Zusammenschlüsse ließen sich Synergien heben, sagt Segeth. „Da ist noch was zu holen.“

Der Zusammenschluss mit der Volksbank St. Wendeler Land mache sich schon positiv bemerkbar. Die Fusionskosten schlugen in der Jahresbilanz laut Segeth zwar mit rund einer Million Euro zu Buche. Er rechnet künftig aber mit Synergie-Gewinnen von mindestens einer Million Euro pro Jahr. Das schlägt sich auch in der Prognose nieder. Die Bank konnte 2019 den Jahresüberschuss trotz der Fusionskosten bei 6,3 Millionen Euro stabil halten. Für dieses Jahr rechnet der Vorstandschef mit einem leicht höheren Gewinn – trotz der schwächelnden Konjunktur und des belastenden Niedrigzinsumfeldes.



Bei den Zinserträgen musste die fusionierte Bank wegen der Folgen der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank weitere Einbußen hinnehmen. Segeth spricht von einem „moderaten Rückgang des Zinsüberschusses um 2,3 auf 65 Millionen Euro“. Das Kreditgeschäft wuchs um 2,6 Prozent auf 2,565 Milliarden Euro. Besonders stark legten dabei die gewerblichen Darlehen zu. Das Plus betrug 7,65 Prozent. Im Firmenkundengeschäft hat die Bank 1 Saar ihren Schwerpunkt. Mehr als zwei Drittel der Kredite vergebe sie an Unternehmen, sagt Segeth. Und wegen ihrer Größe sei die Bank auch in der Lage, Projekte in zweistelliger Millionenhöhe allein zu finanzieren. Der Provisionsüberschuss, also der Ertrag, der beispielsweise aus der Vermittlung von Bausparverträgen oder Wertpapieranlagen kommt, hat sich mit 34,9 Millionen Euro auf Vorjahresniveau gehalten. In diesem Jahr rechnet Segeth mit einem weiter sinkenden Zinsüberschuss und einem höheren Provisionsüberschuss.

Rückläufige Einnahmen konnte die Bank im vergangenen Jahr unter anderem durch Einsparungen bei den Personalkosten auffangen. Sie gingen um 1,9 Millionen auf 45,4 Millionen Euro zurück. Hierbei spielt die Digitalisierung eine große Rolle, durch die Abläufe vereinfacht werden. Kündigungen habe es deswegen nicht gegeben, versichert Segeth. Vor allem seien Stellen, die durch Renteneintritte frei wurden, nicht wiederbesetzt worden. Nach dem Zusammenschluss mit der Volksbank St. Wendeler Land beschäftigt die Bank 1 Saar rund 770 Mitarbeiter.

 Carlo Segeth, Vorstandsvorsitzender der Bank 1 Saar
Carlo Segeth, Vorstandsvorsitzender der Bank 1 Saar FOTO: BeckerBredel