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Autos der Zukunft
Wie weit ist das autonome Fahren?

 Das Forschungsfahrzeug Viewcar II steht am „Testfeld Niedersachsen“. Auf dem Weg zum automatisierten Fahren sollen auf einem neuen Testfeld bei Braunschweig vernetzte Autos erprobt werden.
Das Forschungsfahrzeug Viewcar II steht am „Testfeld Niedersachsen“. Auf dem Weg zum automatisierten Fahren sollen auf einem neuen Testfeld bei Braunschweig vernetzte Autos erprobt werden. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Braunschweig. Die Vorstellung von autonom fahrenden Autos, Bussen und Taxis fasziniert viele Menschen. Bei Testfahrten ist der Fahrer schon Passagier.

Die Autos der Zukunft sollen nicht nur sauberer sein, sondern möglichst auch sicherer und effizienter. Dabei spielt automatisiertes und vernetztes Fahren eine wesentliche Rolle. Das ist längst keine Utopie mehr. In Niedersachsen wurde vorgestern bereits die 14. Teststrecke eröffnet. Dass uns autonome Autos, Busse und Taxis chauffieren, ist aber noch weit entfernt.

Wie weit ist das autonome Fahren?



Es gibt Erfolge bei Forschung und Entwicklung. Selbstfahrende Autos mit Technik von Bosch und Daimler sind bereits testweise in den USA unterwegs. Die beiden Unternehmen erproben dort seit Ende des vergangenen Jahres einen Mitfahrservice. Toyota hat gerade angekündigt, eine experimentelle Stadt der Zukunft in Japan bauen zu wollen, um Technologien wie das autonome Fahren verstärkt in realen Umgebungen zu testen. Der ADAC erwartet aber, dass erst nach 2040 in größerer Zahl Autos angeboten werden, die völlig autonom von Tür zu Tür kommen, also auch auf Landstraßen keinen Fahrer mehr benötigen.


Wo steht die Entwicklung?

Vieles dreht sich derzeit um die Vorstufen zum autonomen Fahren. Dabei werden die Level oft in der Reihenfolge assistiertes, teilautomatisiertes, hoch automatisiertes und voll automatisiertes Fahren beschrieben. In den ersten beiden Stufen beherrscht der Fahrer sein Auto ständig, erst beim dritten Level darf er sich vorübergehend von Fahraufgabe und Verkehr abwenden. Erst auf der nächsten Stufe kann der Fahrer die Fahrzeugführung komplett abgeben und wird zum Passagier. Laut ADAC sind assistierte Fahrfunktionen derzeit der Stand der Technik. Das automatisierte Fahren werde sich nur langsam durchsetzen.


Was passiert auf Teststrecken?

Mit einem neuen Testfeld in Niedersachsen gibt es mittlerweile 14 Probestrecken für vernetzte und automatisierte Fahrzeuge in Deutschland. Entsprechende Systeme werden etwa auf dem Digitalen Testfeld Autobahn A9 in Bayern erforscht und entwickelt. In Hamburg sieht ein Teststrecken-Projekt vor, Ampeln und eine Brücke so auszustatten, dass sie Informationen an Fahrzeuge senden können. Im Berliner Stadtverkehr wurde 3,6 Kilometer lange Strecke zwischen Brandenburger Tor und Ernst-Reuter-Platz mit Technik ausgerüstet. Dort sollen künftig auch Testwagen unterwegs sein, die von Computern gefahren werden und in denen ein Mensch nur noch zur Kontrolle sitzt. In Niedersachsen nehmen Wissenschaftler künftig spezielle Situationen wie Stauenden, Einfädelsituationen und Überholmanöver genauer unter die Lupe. Bei der Eröffnung kündigte der Verkehrsminister des Landes, Bernd Althusmann (CDU), an, dass das Land die Federführung für alle Testfelder in Deutschland übernehmen wolle.


Welche Probleme gibt es?

Vor allem rechtliche Aspekte sind zu klären. So fordert etwa der ADAC, dass die Systeme mindestens so sicher sein müssen wie ein Durchschnittsfahrer. Debatten unter Autoversicherern und Ethikern, die Entscheidungen bei Unfällen analysieren, haben aber gerade erst begonnen. Dazu kommt etwa der Unterschied zwischen Stadt und Land. So wurde ein Modellprojekt, das gerade in Osnabrück getestet wird, in Mecklenburg-Vorpommern vorerst gestoppt, weil die Technik auf dem Land nicht funktioniert. In Osnabrück testen die Stadtwerke einen kleinen autonom fahrenden Bus namens Hubi, der auf öffentlichen Straßen mit Fahrgästen unterwegs ist. Das Fahrzeug verwendet eine Sensorik, die an den Straßenrändern Gebäude „zum Abtasten“ braucht. Damit sei diese Technik nur innerorts in Städten und Dörfern verwendbar, hieß es zur Begründung des Abbruchs in Mecklenburg-Vorpommern.