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Strengere Auflagen zum Spritverbrauch
Aufruhr in Lkw-Werken wegen CO2-Plänen

Gerade erst produzierte Lkw-Zugmaschinen stehen auf dem Parkplatz des Mercedes-Benz-Nutzfahrzeugwerks in Wörth.
Gerade erst produzierte Lkw-Zugmaschinen stehen auf dem Parkplatz des Mercedes-Benz-Nutzfahrzeugwerks in Wörth. FOTO: dpa / Uli Deck
München/Stuttgart. Die EU-Pläne für den CO2-Ausstoß von Lkw sind ehrgeizig. Die Betriebsräte bangen nun um Jobs, die Firmenchefs um die Unternehmen. Von Roland Losch und Nico Esch

Konzernvorstände und Betriebsräte schreiben Brandbriefe an die Politik und gehen gemeinsam auf die Barrikaden. Das gibt es nicht alle Tage. Die Pläne der EU, den Spritverbrauch von Lastwagen per Verordnung um ein Drittel zu senken, sorgt in der Branche für helle Aufregung. „Mit einer solchen Entscheidung setzt die EU Zehntausende Jobs alleine in Deutschland aufs Spiel“, warnt Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht. Sein Kollege Saki Stimoniaris von MAN sieht das genauso. „Wenn es das Ziel der Europäischen Kommission und der EU-Parlamentarier ist, die europäische Nutzfahrzeugindustrie zu zerstören, dann handelt sie richtig“, sagt er bitter.

Heute entscheiden die Abgeordneten in Straßburg über den Vorschlag ihres Umweltausschusses, den CO2-Ausstoß von Lastwagen in den kommenden zwölf Jahren um weitere 35 Prozent zu senken. Bei Verstößen drohen ungewöhnlich hohe Strafzahlungen, so hoch, dass sie „selbst große Nutzfahrzeughersteller in ihrer Existenz bedrohen könnten“, wie VDA-Autoverbandschef Bernhard Mattes sagte. Schon bei einem Gramm Mehrausstoß kämen auf einen Hersteller mit 40 000 Lkw im Jahr 272 Millionen Euro Strafe zu, rechnet ein Beteiligter vor.

Den EU-Abgeordneten im Umweltausschuss und der EU-Kommission geht es jedoch erst einmal ums Klima. Der Vorschlag „macht die großen Verschmutzer auf der Straße für mehr Klimaschutz verantwortlich“, erklärte der niederländische Grünen-Abgeordnete Bas Eickhout. Im Transportbereich steige der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 weiter. Laut EU-Kommission ist er heute um 19 Prozent höher als 1990, weil immer mehr Waren auf der Straße transportiert werden.



Stimmt, sagt der europäische Autoherstellerverband Acea, in dem sich auch die Lkw-Hersteller Daimler, MAN, Scania, Volvo und Iveco organisiert haben: Der Lastverkehr wächst, das meiste davon rollt über die Straßen. Aber Lkw machten gerade mal fünf Prozent des CO2-Ausstoßes insgesamt aus. Und der einzelne Lastwagen fährt immer sparsamer. Die Spritkosten machen ein Drittel der Betriebskosten aus. Jeder Liter mehr geht vom Gewinn des Spediteurs ab. Deshalb sind sparsame und damit emissionsarme Lastwagen für die Spediteure wie für die Lkw-Hersteller ein klarer Wettbewerbsvorteil. Im Durchschnitt sank der Verbrauch jedes Jahr um gut ein Prozent. Ein schwerer Sattelschlepper schafft heute 100 Kilometer mit 30 Liter Diesel. Aber der EU geht das alles zu langsam voran. Soeben haben die EU-Staaten die CO2-Werte für Autos bis 2030 um 35 Prozent gesenkt. Warum sollte das nicht auch bei Lastwagen möglich sein?

Anders als bei Autos sei ein Batterieantrieb für Fernlaster auf absehbare Zeit nicht marktfähig, sagte VDA-Chef Mattes. Tonnenschwere Akkus, lange Ladezeiten, notwendige Parkplätze und Ladesäulen. In der Branche sieht man noch viele Fragezeichen. Dazu kommt, dass die Entwicklungszyklen bei Lastwagen mit 15 Jahren doppelt so lang sind wie bei Autos. Die erste CO2-Senkung fordern die EU-Politiker 2025. „Den Abgeordneten sollte schon klar sein, dass Lastwagen, die 2025 auf den Markt kommen, heute schon in der Entwicklung sind“, sagte Acea-Generalsekretär Erik Jonnaert.

In den Lkw- und Motorenwerken von MAN in München und Nürnberg und an den Standorten von Daimler in Wörth am Rhein, Gaggenau, Mannheim, Stuttgart und Kassel arbeiten gut 44 000 Menschen.