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Auch Europa gerät in die Rezession

Brüssel/Frankfurt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des gemeinsamen Währungsraums ist von Juli bis September gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent und damit etwas stärker als erwartet gefallen. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat gestern mit. Bereits im zweiten Quartal war die Wirtschaft um diesen Wert geschrumpft Von ddp-Mitarbeiter Ralf Beunink

Brüssel/Frankfurt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des gemeinsamen Währungsraums ist von Juli bis September gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent und damit etwas stärker als erwartet gefallen. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat gestern mit. Bereits im zweiten Quartal war die Wirtschaft um diesen Wert geschrumpft. Bankvolkswirte erwarten nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung auf breiter Front. Das Schlimmste stehe dabei noch bevor.Nach Angaben der Statistiker enttäuschte vor allem die Entwicklung in Deutschland und Italien, beide Volkswirtschaften stehen am Anfang einer womöglich ausgeprägten Rezession. Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ist der Rezession vorerst entgangen. Die französische Wirtschaft erzielte im dritten Quartal überraschend ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent, wie aus Daten des nationalen Statistikamtes Insee und der EU-Behörde Eurostat hervorgeht. Für Deutschland hatte das Statistische Bundesamt einen Rückgang des BIP von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal verkündet. Volkswirte gehen davon aus, dass die Schwäche der Wirtschaft in der Eurozone bis weit in das kommende Jahr hinein reichen wird und sich zu einem ernsten Abschwung entwickelt. Sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sehen für 2009 einen BIP-Rückgang in der Eurozone um 0,5 Prozent. Die EU-Kommission rechnet hingegen mit einem leichten Wachstum um 0,1 Prozent. Eine Erholung der wirtschaftlichen Entwicklung wird gegenwärtig nicht vor der zweiten Hälfte des kommenden Jahres gesehen. Unterdessen rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin für Deutschland mit einer wirtschaftlichen Stabilisierung zum Jahresende. Seine Prognose für den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im vierten Quartal verringerte das DIW nur leicht von plus 0,3 auf plus 0,2 Prozent. Das leichte Plus im laufenden Quartal führt das DIW maßgeblich auf die stabilisierenden Kräfte im Dienstleistungsbereich zurück. Deutliche Rückgänge seien hingegen bei der Industrieproduktion zu erwarten. DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths sagte, er rechne damit, dass die Wachstumsrate im nächsten Jahr relativ moderat sein werde. "Man kann ja auch eine Krise herbeireden", sagte er.