| 22:00 Uhr

Bundesagrarministerin macht Druck
Klöckner dringt auf Alternativen zu betäubungsloser Ferkelkastration

Die Bundes­ministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner. 
Foto: Fischer/dpa
Die Bundes­ministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner. Foto: Fischer/dpa FOTO: dpa / Gregor Fischer
Berlin. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) dringt auf eine baldige Umstellung auf Alternativen zur umstrittenen Kastration von Ferkeln ohne Betäubung. „Wir sind alle in der Pflicht, die kommenden zwei Jahre zu nutzen, um tierschutzgerechte Alternativen in der Praxis zu etablieren“, sagte sie bei einem Treffen mit Branchenvertretern gestern in Berlin.

„Eine weitere Verlängerung der Übergangsfrist wird es mit mir nicht geben.“

Hintergrund ist, dass die große Koalition das zum 1. Januar 2019 greifende Verbot der betäubungslosen Kastration noch um zwei Jahre verschieben will. Dies soll morgen im Bundestag beschlossen werden. Tierschützer kritisieren dies und verweisen auch auf die bereits vorhandene Übergangszeit. Das Verbot von 2019 an war mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 festgelegt worden. In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt.

Klöckner sagte, sie wolle Rahmenbedingungen setzen, damit die betäubungslose Kastration mit Beginn des Jahres 2021 tatsächlich ein Ende habe. „Klar ist aber auch: Die Umstellung an sich kann nur und muss durch die Betriebe erfolgen.“



Das Ministerium plant eine Verordnung, damit Bauern das Inhalations-Narkosemittel Isofluran nutzen können, das kürzlich zugelassen wurde. Mit nötigen Schulungen dürften bis zum konkreten Einsatz etwa zwei Jahre benötigt werden. Zur Möglichkeit einer örtlichen Betäubung (Lokalanästhesie) sagte Klöckner bei dem Treffen, dass dazu weitere Forschungen gefördert werden sollten. Denn derzeitige wissenschaftliche Erkenntnissen belegten nicht, dass das Verfahren zu einer Schmerzausschaltung führe.

(dpa)