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Das Erbe der Kohle
Wie neues Leben auf alten Bergbau-Flächen einkehrt

Ensdorf. Blick in die Zukunft. Wir schreiben 2035 oder 2040. Auf dem Gelände des stillgelegten Bergwerks Luisenthal wohnen in urbanen Wohnanlagen rund 2000 bis 3000 Menschen. Sie haben den Bahnanschluss vor der Haustür, kommen schnell weg.

Dort hat sich bis dahin eine einzigartige Wohn- und Lebensumgebung mit tollen Lofts entwickelt, geprägt von den eindrucksvollen, beiden stählernen Fördergerüsten. „Dieser Ort hat eine einzigartige Identität“, schwärmt Stefan Ochs, Architekturprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) des Saarlandes.

Die heutige Tristesse am Bahnhof Luisenthal ist dann längst Geschichte. „Das Bergwerk Luisenthal ist für mich ein Zukunftsstandort mit Potential“, meint der gebürtige Saarländer Ochs, der lange außerhalb des Saarlandes lebte und arbeitete. Seine Idee präsentierte der Architekt jetzt bei der Veranstaltungsreihe des Bergbau-Konzerns RAG mit dem Titel „Glückauf im Wandel“ in Ensdorf. Im Mittelpunkt stand das Thema „Flächenentwicklung und Folgenutzung im Nachbergbau“. Aber nicht alle Flächen können genutzt und bebaut werden wie etwa RAG-Wald. Von einst 3500 Hektar geht es heute noch um rund 2500 Hektar. „Aktuell haben wir rund 650 Hektar im Fokus, die entwickelt werden müssen“, so Uwe Penth, Regionalbeauftragter Saar der RAG.

Überhaupt, meint Ochs Richtung der Planer der Flächenentwicklungsfirma RAG Montan Immobilien (RMI), sollte man auch über „urbane Dörfer“ als Wohnalternative nachdenken angesichts des wohnungspreistreibenden Drangs mit den bekannten Saarbrücker Verkehrsproblemen morgens und abends. „Zurück aufs Land“ ­– das könnte gerade für junge Familien ein gute Alternative sein. Auch dafür könnten ehemaligen Bergwerksstandorte genutzt werden. Und schließlich, so Ochs, sei auch eine große saarländische Eventhalle für 10 000 Besucher auf ehemaligem Bergwerksareal denkbar: „Heute fahren die Saarländer zur Rockhal nach Esch/Alzette.“



Bei allen RAG-Planungen bezüglich der Projektentwicklung „gibt es Bestandsschutz und es gilt immer noch das Bergrecht“, erinnerte RMI-Geschäftsführer Markus Masuth. Zahlreiche Interessen müssten berücksichtigt werden.

Das Gelände der ehemaligen Grube Luisenthal ist noch sehr entwicklungsfähig.
Das Gelände der ehemaligen Grube Luisenthal ist noch sehr entwicklungsfähig. FOTO: BeckerBredel
(ur)