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Diesel-Affäre
ADAC kritisiert amtliches Schreiben an Diesel-Besitzer

Viele Besitzer älterer Diesel würden durch Schreiben des Kraftfahrtbundesamts verunsichert, kritisiert der ADAC.
Viele Besitzer älterer Diesel würden durch Schreiben des Kraftfahrtbundesamts verunsichert, kritisiert der ADAC. FOTO: picture alliance / Hendrik Schmi / Hendrik Schmidt
Berlin. Hat das Kraftfahrt-Bundesamt Diesel-Fahrer nur informiert oder Werbung für deutsche Autohersteller gemacht? dpa

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gerät wegen eines Briefs an Besitzer älterer Diesel zu Preisnachlässen für den Kauf sauberer Wagen zunehmend in die Kritik. Der Autofahrerclub ADAC bemängelte, dies führe „bei vielen Empfängern zu erheblichen Irritationen“, da für weitere Fragen nur Kontaktdaten dreier deutscher Hersteller genannt würden. Eine neutrale Beratung zur Ausgestaltung von Prämien sei damit nicht gewährleistet, heißt es in einem ADAC-Schreiben an den Vorsitzenden des Beirats beim KBA.

Auch die Verbraucherzentralen hatten kritisiert, die Hinweise des KBA auf „Umtauschaktionen“ von BMW, Daimler und VW ließen „nötige Distanz zur Industrie vermissen“. Die Flensburger Behörde mache „abermals keine gute Figur im Abgasskandal“. Vom KBA erwarteten Betroffene neutrale Informationen, wann es sinnvoll sei, seinen Wagen zu tauschen oder auf die Hardware-Nachrüstung zu warten.

Grüne und FDP sehen das KBA-Schreiben ebenfalls äußerst kritisch. „Die Autohersteller scheinen einen neuen Vertriebspartner gefunden zu haben“, sagte der Grünen-Verkehrspolitiker Stephan Kühn dem „Handelsblatt“. Das sei inakzeptabel für eine Behörde, die
zur Neutralität verpflichtet ist. Der FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic betonte, es sei nicht Aufgabe des Staates, Reklame für die Autoindustrie zu machen. „Mit diesem Werbebrief macht sich Verkehrsminister Scheuer zum Autohändler.“



Das Bundesverkehrsministerium verteidigte den Brief dagegen als „reines Informationsschreiben“. Darin heiße es auch: „Es bleibt Ihnen natürlich unbenommen, sich auch bei anderen Herstellern über laufende Umtauschaktionen zu informieren.“ Extra-Rabatte für den Kauf sauberer Wagen gehören zu einem Paket mit neuen Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung Diesel-Fahrverbote in 15 Städten mit besonders hoher Luftverschmutzung vermeiden will.

Der ADAC warnte, viele Betroffene verstünden die Briefe des KBA als „einseitige Werbeaussage zugunsten der genannten Hersteller“. Nach Schilderungen von ADAC-Mitgliedern führe es zu einer „Erosion in das Vertrauen staatlicher Einrichtungen“, wenn sie als „Vorfeldeinrichtungen von Automobilherstellern auftreten“. Das KBA hatte geschrieben, wer die Umtauschprämien in Anspruch nehme, leiste „einen wirksamen und maßgeblichen Beitrag zur Reduzierung der Fahrzeug-Emissionen und zu einer Verbesserung der Luftqualität in unseren Städten“. Zudem wurde auf Hotlines der Hersteller BMW, Daimler und VW verwiesen.

Volkswagen und Daimler sind auch bereit, dann noch verbliebene ältere Dieselautos in den „Intensivstädten“ für bis zu 3000 Euro pro Wagen mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen. Bei Daimler hieß es, die Nachrüst-Lösungen von Drittanbietern müssten vom KBA zugelassen werden und dazu berechtigen, auch in Straßen mit Fahrverboten einzufahren. VW kündigte an, sich an den Hardware-Nachrüstungen zu beteiligen, wenn Kunden dies wünschten. Es wird davon ausgegangen, dass zugelassene Angebote nicht vor 2020 verfügbar sind.

Derweil sind beim KBA erste Anträge von Anbietern für Hardware-Nachrüstungen eingegangen. „Dem KBA liegen derzeit vier Anträge zweier Hersteller vor“, heißt es demnach in der Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer regte eine
Gesetzesänderung an. „Die Autokonzerne sollen Strafzahlungen, die
sie leisten müssen, nicht mehr an den Staatshaushalt überweisen“, sagte die Kandidatin für den CDU-Vorsitz. Dieses Geld sollte stattdessen in einen Fonds fließen, aus dem dann Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität finanziert oder Entschädigungen an Autofahrer gezahlt werden könnten.