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„Gold“ der Elektroautos
Abhängigkeit von Lithium und Kobalt wächst

Ein Elektroauto wird „betankt“. Bei wachsender Zahl dieser Fahrzeuge könnte das deutsche Stromnetz zusammenbrechen, warnt eine aktuelle Studie.
Ein Elektroauto wird „betankt“. Bei wachsender Zahl dieser Fahrzeuge könnte das deutsche Stromnetz zusammenbrechen, warnt eine aktuelle Studie. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Berlin. Bessere und günstigere Batterien sind nötig, wenn der E-Mobilität der Durchbruch gelingen soll. Die beiden wichtigsten Rohstoffe dafür stecken auch in weiteren Hightech-Gütern — und könnten knapp werden. Deutschland und andere buhlen um die Gunst der Förderstaaten.

Ohne sie muss die Revolution auf der Straße, in der Energiewelt und bei der digitalen Kommunikation ausfallen: Lithium, Kobalt, Coltan und die Metalle der Seltenen Erden sind der Grundstein für Elektroauto-Batterien, Windkraftanalgen und Smartphone-Akkus. Auch in vielen anderen Produkten kommen die kostbaren Rohstoffe vor. Vor allem bei Lithium zeichnet sich jedoch eine wachsende Knappheit ab – mit möglichen Folgen für die Versorgung von Herstellern und Kunden auch in Deutschland. Zumal der Wirtschaftsgigant China versucht, weltweit Zugriff auf immer größere Vorkommen zu erhalten, um die eigene Industrie besser gegen Preiskapriolen abzusichern.

Batterien von E-Autos, aber auch viele weitere Elektronikprodukte sind auf Lithium angewiesen. Zwar sind andere Technologien in der Planung, der klassische Lithium-Ionen-Akku dürfte aber noch längere Zeit tonangebend sein. Das „weiße Gold“ wird in der Zellproduktion eingesetzt, auch deutsche Autokonzerne buhlen um neue Partner und gute Kontrakte zum Einkauf der zentralen Verbindung Lithiumkarbonat.

Als entscheidender Faktor für die oft noch unzureichende Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Kosten von E-Autos steuert die Batterie den Wandel der Branche maßgeblich mit. Volkswagen etwa plant eine eigene Zellforschung. „Wir könnten heute schon deutlich mehr E-Golf oder E-Up verkaufen, als wir derzeit in der Lage sind“, sagte VW-Markenchef Herbert Diess kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit Blick auf Versorgungsengpässe. Daimler unterhält schon eine Batteriefertigung.



Das Dreiländereck Chile/Argentinien/Bolivien wird bereits als das „Saudi-Arabien Südamerikas“ bezeichnet. Am Salzsee von Uyuni im bolivianischen Hochland gibt es die wohl größten Lithium-Reserven der Welt. „Wir werden eine große Lithium-Industrie aufbauen, über 800 Millionen Dollar stehen dafür bereit“, sagte Boliviens Präsident Evo Morales vor einigen Monaten. Nach Tests mit einem Pilotsystem soll bald eine große Förderanlage errichtet werden, die das deutsche Unternehmen K-UTEC aus Thüringen geplant hat. Der Abbaukomplex umfasst rund 40 Quadratkilometer.

Um den Bau der Lithium-Fabrik haben sich 26 Firmen beworben – von China über Russland, Finnland, Deutschland und Spanien bis Mexiko. In der Nähe soll eine große Batteriefabrik entstehen, die Bolivien als Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Unternehmen betreiben will. Besonders chinesische Firmen hoffen auf den Zuschlag. Bolivien hat mit geschätzt neun Millionen Tonnen die größten Lithium-Reserven. Chile wird bis auf weiteres aber Weltmarktführer bleiben – bis 2030 soll der Export von Lithiumkarbonat auf 180 000 Tonnen pro Jahr mehr als verdoppelt werden. Lithium-Fonds legen steile Gewinnkurven hin.

China ist einer der aktivsten Spieler bei Lithium. Die Nachfrage nach dem Rohstoff als strategische Ressource kommt nicht von ungefähr: Mit mehr als 500 000 verkauften Elektro- und Hybridwagen hat sich die Volksrepublik 2017 zum größten Absatzmarkt für E-Autos entwickelt. Peking will aber nicht nur Weltmarktführer in der E-Mobilität sein, sondern auch die vorgelagerte Produktion von Batterien dominieren. Schon heute verbraucht China über 40 Prozent des weltweiten Lithiums. Es streckt daher seine Fühler nach Südamerika aus – und auch nach Australien, wo Lithium ebenfalls in großem Stil gewonnen wird.

Die Metalle Kobalt, Nickel und Platin sowie Graphit und Seltene Erden spielen ebenso eine zentrale Rolle für die Hightech-Wirtschaft. Die Kobalt-Nachfrage wuchs von 2010 bis 2015 von 65 000 auf über 90 000 Tonnen pro Jahr. Derzeit wird die Hälfte in Batterien verbaut, wo das Metall es möglich macht, die Energiedichte kleiner Akkus zu erhöhen. Auch für Magneten in Windturbinen, Bauteile von Gasturbinen oder Energiespeicher braucht man jede Menge Kobalt.

(dpa)