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Immer mehr Cyber-Kriminelle
Über 10 000 Internet-Straftaten dieses Jahr in Rheinland-Pfalz

 Tatort Internet: Immer wieder versuchen Kriminelle, über Computer an persönliche Daten und Geld zu kommen.
Tatort Internet: Immer wieder versuchen Kriminelle, über Computer an persönliche Daten und Geld zu kommen. FOTO: picture-alliance/ dpa / Hendrik Schmidt
Mainz. Persönliche Daten werden abgefischt oder Straftäter geben sich als Chef aus: Die Internetkriminalität hat viele Formen. Für Rheinland-Pfalz steigen die Fallzahlen, sagt das Landeskriminalamt.

Das Internet wird immer öfter zum Tatort: Die Cyber-Kriminalität hat nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Rheinland-Pfalz in diesem Jahr zugenommen. „Wir gehen davon aus, dass wir auf jeden Fall mehr als 10 000 Straftaten haben. Unser Eindruck ist, dass die Zahlen steigen“, sagte LKA-Präsident Johannes Kunz. „Wir müssen uns von der Illusion entfernen, dass Cyber-Kriminalität ganz außergewöhnlich ist. Es ist Alltag.“ Je mehr die Digitalisierung vorangetrieben werde, umso mehr Kriminalität werde es im Netz auch geben.

Die Ermittler zählen insgesamt vier größere Maschen von „Cybercrime“ auf: Identitätsdiebstahl („Phishing“), bei dem über Viren Programme installiert und persönliche Daten gestohlen werden. Dann gibt es Straftäter, die sich als Mitarbeiter des Supports ausgeben, um so an Daten zu gelangen. Digitale Erpressung mit Schadsoftware und das sogenannte „CEO-Fraud“– „Chef-Betrug“ –, bei dem sich Täter als Vorgesetzte ausgeben und Geld erbeuten, zählen auch dazu.

Der „Chef-Betrug“ sorgte laut dem LKA in diesem Jahr bisher für einen Schaden von einer Million Euro alleine in Rheinland-Pfalz. „Wir hatten in diesem Jahr 150 Fälle, von denen es bei 23 Fällen konkrete Geldforderungen gab. In zwölf Fällen wurden 3,5 Millionen Euro gefordert“, erläuterte der LKA-Präsident. Die Zusammenarbeit von BKA, LKA, Polizeidienststellen und Banken habe dazu geführt, dass 2,5 Millionen Euro zurückgeholt werden konnten. Dem LKA zufolge trifft „CEO-Fraud“ vor allem mittelgroße und größere Firmen. „Es gibt aber eine rückläufige Entwicklung, weil sich Täterstrukturen zerschlagen haben“, sagte Kunz.



Bisher werden die Fälle in der Polizei-Kriminalstatistik unter Computerkriminalität aufgelistet, künftig wird „Cybercrime“ dort genannt. Die Art der Delikte soll breiter gefasst werden. Bisher werden die Fälle nach dem Ort erfasst, wo Täter in Rheinland-Pfalz gehandelt haben, künftig soll auch der Ort des Geschädigten dargestellt werden.

Wenn es um besonders schwere oder umfangreiche Fälle geht, kommt die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ins Spiel. Die Experten gehen ebenfalls davon aus, dass diese Form der Kriminalität steigt. In den vergangenen Jahren sei zunehmend festzustellen, dass im Darknet nahezu jede kriminelle Dienstleistung angeboten werde, erklärte Oberstaatsanwalt Jörg Angerer.

Die LZC zählte im vergangenen Jahr 289 Verfahren, in diesem Jahr bisher 161. Die Differenz bedeute keinen Rückgang der Straftaten, sondern sei mit dem Abschluss einiger Verfahren und daraus resultierenden Folgeverfahren zu erklären, die meist abgegeben würden. Der Fall „Chemical Love“ um Online-Drogenhändler habe rund 1000 Verfahren gegen Abnehmer der Shop-Betreiber nach sich gezogen. In einem Verfahren, in dem am 7. Dezember ein Netz von 13 Online-Shops für Designer-Drogen zerschlagen wurde, rechnen die Ermittler nach Angaben von Angerer mit ähnlich vielen Folgeverfahren.

(dpa)