| 23:39 Uhr

Totschlag in Drogeriemarkt
Kritik an Äußerungen zu Flüchtlingen

Kandel. Der gewaltsame Tod einer 15-Jährigen in Kandel sorgt für Diskussionen. Der Bürgermeister der Gemeinde beklagt dabei einzelne Beiträge über Flüchtlinge. Er mahnt Zurückhaltung und Mitgefühl an.

Nach der tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige in Kandel hat der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Volker Poß (SPD), pauschale Forderungen nach einem härteren Umgang mit Flüchtlingen beklagt. Das Mädchen war am Mittwoch in einem Drogeriemarkt der südpfälzischen Stadt mit einem Messer erstochen worden, als dringend tatverdächtig gilt ihr Ex-Freund. Der mutmaßliche Täter ist ein nach Behördenangaben ebenfalls 15 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan, der in eine Jugendstrafanstalt gebracht wurde.

Ihm seien dazu vereinzelte Mails und Wortmeldungen „in einer für mich beschämenden Art und Weise“ zugegangen, sagte Poß am Freitag. „Da ist von Politikerversagen die Rede, da werden Abschiebungen gefordert, da werden Konsequenzen in Bezug auf den Umgang mit unseren Flüchtlingen eingefordert“, sagte der Verwaltungschef. Er rief zu Zurückhaltung und Sachlichkeit auf. „Ich denke, was im Moment zählt, ist wirklich die Anteilnahme, ist wirklich das tiefe Mitgefühl.“

Unterdessen ist geplant, dass bei dem traditionellen ökumenischen Neujahrsgottesdienst am Montag (1. Januar) in Kandel auch der 15-Jährigen gedacht werden soll. Schon am Donnerstag sei die eigens angebotene Öffnung der Kirchen gut angenommen worden, berichteten Geistliche der katholischen und der evangelischen Kirche am Freitag. „Es ist so, dass viele Menschen einen Ort suchen, an dem sie innehalten können und in Ruhe eine Kerze anzünden oder einen Moment schweigen können“, sagte Pfarrerin Mirjam Dembek. Bürgermeister Poß sagte: „Wir sind nach wie vor alle schockiert, wir sind nach wie vor alle tief betroffen, und uns fehlen nach wie vor die richtigen Worte für diese schreckliche Tat.“ Der Verdächtige soll das Mädchen am Mittwoch in dem Drogeriemarkt mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt haben. Die 15-Jährige hatte sich Anfang Dezember von ihm getrennt, der zuvor wegen einer Körperverletzung bei einem Schulhofstreit aufgefallen war. Nach Darstellung der Ermittler hatte die Beziehung mehrere Monate gedauert. „Wir haben ihn aufgenommen wie einen Sohn“, zitierte die „Bild“-Zeitung am Freitag den Vater der 15-Jährigen. „Er hatte doch sonst niemanden.“ Nach der Trennung suchte der Verdächtige weiter Kontakt. „Er hat sie gestalkt, war eifersüchtig“, so der Vater in „Bild“. Die Eltern zeigten ihn schließlich an. Eine Vorladung war ihm noch kurz vor der Bluttat von Polizeibeamten überbracht worden.



Ob der Verdächtige weiter zu der Tat schweigt und ob er inzwischen überhaupt irgendetwas gesagt hat, wurde zunächst nicht bekannt. „Derzeit laufen die Ermittlungen auf Hochtouren“, war das einzige, was Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag mitteilten. Über den Fortgang werde man voraussichtlich nächste Woche informieren.

Unterdessen berieten die zuständigen Ministerien in Rheinland-Pfalz den zweiten Tag in Folge über das Gewaltverbrechen. Der Austausch soll laut einer Sprecherin des Integrationsministeriums fortgesetzt werden. Danach will die Landesregierung bewerten, „welche Konsequenzen unter Umständen aus diesen Erkenntnissen zu ziehen sind“.

(dpa)