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OGV Oberauerbach
Ein Stammtisch ganz ohne Parolen

Friedrich Schwab (links im Bild), Manfred Bäsel und Heinz Strauch zeigen im Lehrgarten des OGV eine ganz neue Apfelsorte, „Baya Marisa“.
Friedrich Schwab (links im Bild), Manfred Bäsel und Heinz Strauch zeigen im Lehrgarten des OGV eine ganz neue Apfelsorte, „Baya Marisa“. FOTO: Margarete Lehmann / Picasa
Oberauerbach. Der Obst- und Gartenbauverein Oberauerbach trifft sich einmal im Monat im Lehrgarten.

Am ehesten und am schwersten betroffen vom Klimawandel sind die Bauern. Man kennt das Kinderlied noch: „Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt“. Das ist Vergangenheit, mit Rührseligkeit kommt man heuer nicht weiter. Heute dominieren die Maschinen und die Unkraut- oder Schädlingsvernichter bei den Landwirten – das Bild des alten Bauerns ist verschwunden. In seiner „Abendphantasie“ dichtete der große Hölderlin: „Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt / Der Pflüger; dem Genügsamen raucht sein Herd“. Heute sitzt dem Pflüger der Klimawandel im Nacken.

Doch im Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins Oberauerbach geht es weitgehend noch so zu wie in der oben beschworenen guten alten Zeit. Da wird per Hand gehackt und gesät und gepflanzt. Und es gedeiht – allerdings ohne Rekorde. Denn hier wird meistens nicht auf Ertrag gezüchtet. Am Sonntag war wieder Stammtischzeit beim OGV Oberauerbach. Mit dabei waren auch einige Vorstandsmitglieder. „Wir wollen neue Ideen einbringen, um dem Mitgliederschwund und der schwindenden Lust auf dem Weg zurück zur

Natur beizukommen“, sagte Schriftführer Manfred Bäsel. Dabei war auch  Garten- und Baumzuchtkenner Friedrich Schwab, ein Fachmann nicht nur für das alte „Schrot und Korn“. Vorsitzender nach der Wahl im Mai ist jetzt Erwin Stephan.



In Reih und Glied im Lehrgarten stehen alte und neue Obstsorten beieinander oben auf dem Gentersberg, als Niederstamm oder Halbstamm. „Wer will denn heute noch auf der Leiter stehen und sich die Knochen brechen?“, heißt es. „Wir haben mit Kindern aus dem Kindergarten probiert, ihnen Lust auf dem Garten einzuimpfen. Leider ohne Erfolg“, sagt Schwab. Doch aussichtslos sieht die Nachwuchssituation nicht aus: „Zwei Jugendliche mit Abiturabschluss zeigen Interesse und sind Mitglied geworden“, sagt Schwab. Im Herbst wird eine neue Apfelsortenprobe veranstaltet. „Wir wollen auch neue Baumsorten anbieten“, sagt Bäsel. Bodenqualität wird eine Rolle spielen. Kein schwarzer Torf wird verwendet, sondern brauner, Bodenprüfungen den ph-Wert betreffend werden angeboten. Auch ein Gartencenter soll besucht werden, um direkt vor Ort Zuchtbemühungen zu begutachten. Im November wird eine Fahrt nach Augustenberg bei Karlsruhe in das Obstforschungszentrum angeboten, bei der Gelegenheit kann auch eine Baumbestellung gemacht werden. Schwab sagt: „In Supermärkten werden etwa zehn Apfelsorten angeboten – es gibt aber 4000“. Sich umzusehen, um seine Lieblingssorte zu finden, lohnt also.