| 19:42 Uhr

2500 Bürger evakuiert
Bombe in Neunkirchen erfolgreich entschärft

 Dirk Otterbein vom Kampfmittelräumdienst mit der unschädlich gemachten Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.
Dirk Otterbein vom Kampfmittelräumdienst mit der unschädlich gemachten Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ist gestern eine 50 Kilogramm schwere US-Fliegerbombe in Neunkirchen entschärft worden.

Nach vier Stunden und 15 Minuten war alles vorbei. Der Leiter des Landespolizeipräsidiums 125 – Kampfmittel-Beseitigungsdienstes, Dirk Otterbein, hatte knapp über eine halbe Stunde – von 10.42 bis 11.15 Uhr – gebraucht, um die bei den Bauarbeiten auf den Bliesterrassen in Neunkirchen entdeckte amerikanische 50-Kilo-Fliegerbombe zu entschärfen. „Sie hatte nur einen Zünder, da ging das einfach“, erklärte Otterbein. Die mit 25 Kilogramm Sprengstoff gefüllte Bombe wartet nun in einem Waffenlager auf den Abtransport in die Lüneburger Heide zur Entsorgung. „Das war hervorragende Arbeit“, attestierte der Einsatzleiter Jörg Aumann dem Team. Es war die größte Evakuierung des Saarlandes nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 7 Uhr gestern morgen musste eine Fläche im Radius von 300 Metern rund um die Bombe geräumt sein. Aumanns Lob galt zum einen den über 500 Helfern von Rathaus, Polizei, Neunkircher Verkehrs AG und den verschiedenen Hilfsdiensten, die ab dem frühen Morgen in den unterschiedlichsten Bereichen tätig waren. Zum anderen aber auch den rund 2500 betroffenen Bürgern selbst, „die bis auf wenige Ausnahmen in vorbildlicher Weise sehr diszipliniert“ gewesen seien. Platzverweise seien nicht nötig gewesen, lediglich einmal habe man eine Identitätsfeststellung durchführen müssen. Es gab weder Gewaltanwendung noch gewaltsames Öffnen von Wohnungen.

Am längsten hatte die Evakuierung eines der beiden betroffenen Seniorenheime gedauert. 113 Personen mussten von hier mit Wagen der Hilfskräfte in die Gebläsehalle gebracht werden. Die Veranstaltungshalle am Alten Hüttenareal war eine der Anlaufstellen für die Evakuierten. Am Abend zuvor hatte hier noch die ADAC-Gala stattgefunden. Die Mitarbeiter der Neunkircher Kulturgesellschaft hatten die Nacht durchgearbeitet, um die Halle morgens um 6.30 Uhr öffnen zu können. 220 Menschen insgesamt nahmen das Angebot an, ließen sich von den ehrenamtlichen Helfern mit Getränken und Imbiss bewirten. Für die Kinder war eine Spielecke eingerichtet, dort sorgten unter anderem Michel Luther und Vianne Backes vom DLRG für Unterhaltung. Mit weiteren fünf Kollegen und 16 DRK-Kreisverband-Mitgliedern waren sie bereits ab 6 Uhr vor Ort.

Wolfgang Frieske, beim Kreis-DRK Ausbilder im Betreuungsdienst, organisierte: von der Anforderung von Essen und Getränken beim dafür zuständigen Malteser Hilfsdienst bis hin zum Aufstellen der Mülleimer alles. „Die Zusammenarbeit auch mit Feuerwehr und den Stadtmitarbeitern sowie der verschiedenen Hilfsdienste klappt vorzüglich“, bestätigte Frieske. „Bestens organisiert“ – dieses Fazit sollten am Ende auch Tina Keller vom städtischen Ordnungsamt und Kreisbrandinspekteur Werner Thom vom Katastophenschutz des Landkreises ziehen. Fast zwei Wochen waren sie mit der Organisation beschäftigt. „Es gab sehr viele Details, die zu organisieren waren, wie beispielsweise freie Betten für Bettlägerige.“ Mehrere 100 Anrufe waren übers Bürgertelefon eingelaufen. 30 Menschen baten um eine Fahrgelegenheit aus dem Evakuierungsgebiet. Für alle, die am Tag nicht zu Fuß zur Gebläsehalle konnten, standen Busse der NVG bereit, um die Halle des Verkehrsbetriebes anzufahren. Auch hier gab es Platz für Hunderte, knapp 30 nahmen das Angebot an. Die ebenfalls vorgehaltene Halle in Wellesweiler wurde nicht benötigt. 22 Menschen gingen am Morgen in den Zoo – der hatte bereits ab 7.15 Uhr für die Evakuierten geöffnet.



Die übrigen Bewohner hatten sich bei Verwandten oder Bekannten einquartiert oder suchten das Weite. Wie Familie Becker etwa. Die war kurz vor Schließung des Evakuierungsgebietes unterwegs, um zu grillen und zu wandern.

 Großes Medieninteresse: Einsatzleiter Jörg Aumann bei der Pressekonferenz.
Großes Medieninteresse: Einsatzleiter Jörg Aumann bei der Pressekonferenz. FOTO: Jörg Jacobi
 Eine evakuierte Anwohnerin.
Eine evakuierte Anwohnerin. FOTO: Jörg Jacobi