| 22:05 Uhr

Ab heute Ernstfall für Autofahrer

Auf der Fechinger Talbrücke wird Beton entfernt, damit das Bauwerk leichter wird. Auf den Umleitungen kommt es heute mit dem Ende der Osterferien im Saarland zur Belastungsprobe.Foto: B&B
Auf der Fechinger Talbrücke wird Beton entfernt, damit das Bauwerk leichter wird. Auf den Umleitungen kommt es heute mit dem Ende der Osterferien im Saarland zur Belastungsprobe.Foto: B&B FOTO: B&B
Saarbrücken. Heute Morgen entscheidet es sich, ob Umleitungen und Umstiegs-Tipps auf die Bahn Stress und Staus rund um die gesperrte Fechinger Talbrücke verhindern. Denn das Saarland ist nach dem Ende der Osterferien wieder im Alltagsmodus. Dietmar Klostermann

. Heute beginnt der Ernstfall. Mit dem Ende der Osterferien im Saarland will Saarlands Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD ) heute ständig über die Verkehrslage rund um die Vollsperrung der Fechinger A-6-Talbrücke informiert werden. "Jeder Pkw-Fahrer, der die Umleitungsstrecken nicht nutzt oder auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigt, hilft die Situation zur Entlastung der Anwohner zu verbessern", betonte Rehlinger. Ab 15 Uhr wird dann im Verkehrsausschuss des Landtags Tacheles geredet. Gefüttert mit den Nachrichten von der Belastungsprobe der vom Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) eingerichteten Umleitungen will die Opposition Auskunft darüber verlangen, wie es zum Desaster der Vollsperrung der saarländischen Lebensader A 6 in Fechingen kommen konnte.

"Wir haben am Montag mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen", sagte Rehlinger. Die Ausschilderung der Umleitungen befinde sich in einem "laufenden Prozess der Optimierung". "Wenn es Stellen gibt, wo noch ein Umleitungsschild fehlt, kommt auch noch eins dazu", erklärte die Verkehrsministerin. Besonders am Neunkircher Kreuz habe der LfS Probleme mit der Ausschilderung, da die elektronischen Hinweistafeln über der A 6, die den überregionalen Verkehr , vor allem die Lkw, über die A 8 nach Saarlouis und Frankreich/Luxemburg umleiten sollen, defekt sind. Der LfS stellte weiße Hinweisschilder an den Fahrbahnrand. Diese sollen in dieser Woche mit Blinkleuchten umkränzt werden, sodass die Hinweiswirkung besser wird, wie LfS-Direktor Michael Hoppstädter sagte.

Am vergangenen Wochenende wurde an der Umleitung L 108, die von St. Ingbert-West über den Staffel, den Flughafen Ensheim nach Fechingen führt, gearbeitet. Diese Umleitung hatte sich in den ersten beiden Wochen nach der Vollsperrung zum Unfallschwerpunkt entwickelt, ein Lkw war seitlich in die Wiese gekippt, da es neben der Straße keinen festen Rand gibt. Zudem sei die Camphauser Straße am Ende der A 623 von Sulzbach kommend nun durchgängig zweispurig befahrbar. "Es gibt auch längere Grünphasen für den Verkehr von und zur A 623 am Ludwigskreisel", sagte Rehlinger. Besonders wichtig sei ihr die Schulwegsicherung. So seien Ampeln aufgestellt worden: am Industriegebiet Ensheim und an der Heringsmühle in Fechingen. Zudem gebe es eine Ampel an A 6-Abfahrt in St. Ingbert-West.

"Bei Googlemaps und im GPS sind die Umleitungen jetzt eingepflegt. Wichtig ist, dass die Lkw-Fahrer, die oft den CB-Funk nutzen, vor dem Neunkircher Kreuz über die Umleitung informiert werden", sagte Rehlinger. Rehlinger riet Bildungs- und Berufspendlern, das Schnupper-Abo des Saar-VV zu wählen. "Auf der Bahnstrecke ab Homburg gibt es im morgendlichen Verkehr vier Züge mir ausreichenden Kapazitäten." Nach der Vollsperrung der Fechinger Talbrücke haben die Bauarbeiten begonnen, um die Brücke leichter und damit wenigstens für Autos wieder befahrbar zu machen. Derzeit werden die Mittelkappen entfernt. Diese Woche soll der Asphalt abgefräst werden.

Doch wie kann die Brücke, deren Pfeiler bei zu großer Belastung einzustürzen drohen, die tonnenschweren Baumaschinen tragen? Das ist laut Gutachter Martin Hofmann vom Bad Kreuznacher Ingenieurbüro Verheyen kein Problem: "Den Baustellenverkehr hat man im Griff. Man kann festlegen, welche Maschinen wann und wo auf der Brücke sind." Den normalen Verkehr könne man hingegen nicht steuern.

Wie kann eine Brücke, die 50 Jahre hielt, überhaupt von einem Tag auf den anderen einsturzgefährdet sein? Das Problem liegt vor allem darin, dass die Brücke nicht mehr den heutigen Sicherheitsvorschriften entspricht. Nach Angabe der Gutachter ist der "Sicherheitspuffer" zwischen der Tragfähigkeit und der tatsächlichen Belastung viel zu gering.

Der komplette Neubau der Brücke ist aus Sicht der Gutachter unumgänglich. Lediglich die Pfeiler auszutauschen, mache keinen Sinn. Denn auch der Überbau werde Zeichen der Alterung zeigen, etwa Risse, und keine weiteren 50 Jahre halten. "Den Überbau zu sanieren wäre eine solch massive Maßnahme, dass sie weder wirtschaftlich noch technisch Sinn macht", sagte Johannes Naumes vom Ingenieurbüro.