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Deutsche Ökonomen und WTO dämpfen Konjunktur- und Handelsprognosen
Ökonomen warnen vor globaler Wirtschaftskrise

Berlin/Genf. Die Bedenken waren schon groß, als US-Präsident Donald Trump höhere Zölle nur andeutete. Inzwischen sind Milliarden-Abgaben in Kraft gesetzt. Experten sehen beträchtliche Risiken für Deutschland und die Weltwirtschaft.

Die globalen Handelskonflikte könnten nach Einschätzung von Experten und internationalen Organisationen empfindliche Folgen für die deutsche Wirtschaft und den Welthandel haben. Ökonomen warnen insbesondere vor dem Konsequenzen der Zoll- und Abschottungspolitik der USA. Auch die Welthandelsorganisation (WTO) senkt ihre Wachstumsprognose merklich. In Deutschland nehmen zudem die Risiken für die wichtige Autobranche wegen der Probleme mit dem neuen Abgas-Teststandard WLTP zu.

Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute erklärten gestern, die US-Zölle hätten bisher nur geringe Auswirkungen gehabt. Sie warnten in ihrem in Berlin vorgestellten Herbstgutachten allerdings zugleich: „Eine Eskalation des Handelskonflikts, die zu erheblichen Zollerhöhungen der USA auf breiter Front führt, dürfte in Deutschland und in Europa eine schwere Rezession auslösen.“ Zudem bremsen die Streitigkeiten laut WTO das Wachstum des Welthandels.

Die EU könne den Effekt mit Gegenmaßnahmen abmildern – dies werde dann aber zu einem Konjunktureinbruch in den USA führen, so die Institute. Seit dem Jahresbeginn habe sich das internationale handelspolitische Klima „drastisch verschlechtert“, schreiben sie Institute – und verweisen auf die Ankündigung und Umsetzung von Strafzöllen durch US-Präsident Donald Trump. „Sie leiteten eine weltweite Spirale hin zu mehr Protektionismus ein.“ Die betroffenen Handelspartner, allen voran China, reagierten mit Gegenzöllen. Die Wissenschaftler gehen für 2018 von einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent aus, für das kommende Jahr rechnen sie mit einem Plus von 1,9 Prozent. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten sie noch mit Zuwächsen von 2,2 Prozent für das laufende Jahr und 2,0 Prozent für 2019 gerechnet.



Weltweit machen sich die US-Strafzölle und die Vergeltungsschritte betroffener Länder bemerkbar. Die WTO sprach von einer „Eskalation der Spannungen“ und senkte ihre Wachstums-Prognose des Welthandels von 4,4 auf 3,9 Prozent in diesem und von 4,0 auf 3,7 Prozent im nächsten Jahr. „Es ist wichtiger denn je, dass die Regierungen ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen und sich beherrschen“, sagte WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo.

Neben den Zöllen nennt die WTO auch Leitzins-Erhöhungen als Grund für die trüberen Aussichten. Das könne zu einem Kapitalabfluss aus den Entwicklungs- und Schwellenländern führen. Zudem könnten geopolitische Spannungen die Rohstoffversorgung bedrohen.

(dpa)