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Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
Wirksamerer Impfschutz gegen Grippe gefordert

Berlin. Die Influenza überzieht Deutschland. Nun gibt es Streit um den empfohlenen Vierfach-Impfstoff.

Zum Höhepunkt der Grippewelle in Deutschland fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz einen besseren Impfschutz der Bevölkerung. „Bis heute übernehmen nicht alle Krankenkassen die wichtige Vierfach-Impfung“, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. „Gezahlt wird häufig nur der halb so teure Dreifach-Wirkstoff.“ In einem aktuellen Beitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland betonte Brysch: „Dabei fehlt der Dreifachimpfung ein entscheidender Influenza-Stamm, der für zahlreiche, teils schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich ist.“ Ob der Vierfach-Impfstoff dann aber in ausreichender Menge vorhanden wäre, ist allerdings fraglich.

Brysch kritisierte weiter, heute seien chronisch und schwerstkranke Menschen beim Grippeschutz auf das Wohlwollen ihrer Krankenkasse angewiesen. Dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Entscheidung über die Vierfach-Impfung erst im April treffen wolle, sei viel zu spät für die diesjährige Grippesaison. „Deshalb muss der Gesetzgeber für solche Gefährdungssituationen ein Eilverfahren einführen“, so Brysch.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut (RKI) hatte die Vierfach-Impfung gegen Grippe erst kürzlich empfohlen. In der aktuellen Saison hilft der Dreifach-Impfstoff laut Experten nur bedingt, weil er weniger Virenstämme des Influenza-B-Typs abdeckt. Im Unterschied zur Dreifach- richtet sich die Vierfach-Impfung auch gegen die Yamagata-Linie der Influenza-B-Erreger, die 75 Prozent aller Grippefälle ausmacht.



Dennoch biete auch die Dreifach-Impfung guten Schutz, sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Bei der derzeitigen Grippewelle liege die Wirksamkeit aller Impfungen zusammen bei 46 Prozent. Das sei angesichts der üblichen Schwankungsbreite von 20 bis 60 Prozent schon recht gut.

Die Schutzimpfungen sind seit 2007 Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Der für den Leistungskatalog der Kassen zuständige gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), dem Spitzenvertretern von Ärzten, Kassen und Kliniken angehören, hatte im Januar mitgeteilt, nach der Stiko-Empfehlung zügig über eine Aufnahme des Vierfach-Stoffs in die Pflichtleistungen der Kassen zu beraten. „Hierfür besteht eine gesetzliche Frist von maximal drei Monaten“, sagte G-BA-Chef Josef Hecken. Ansatzpunkte für Klagen über eine Benachteiligung von Kassenpatienten gegenüber Privatversicherten, die die Impfung eher erstattet bekommen, biete der Fall nicht. Bisher habe der G-BA Stiko-Empfehlungen in den meisten Fällen übernommen.

(dpa)