| 22:25 Uhr

Flüchtlinge
Wie sich die Mittelmeer-Krise verändert – und was Europa tut

Madrid. Die Verschiebung geht weiter: Immer mehr Flüchtlinge kommen in Spanien an, immer weniger in Italien: Nach neusten Zahlen der Internationalen Organisation für Migration wurden an Spaniens Küsten bis Ende Juli rund 23 000 Bootsmigranten registriert – drei Mal so viele wie im Vorjahr. Von Ralph Schulze

Insgesamt landen nun 40 Prozent aller Mittelmeer-Flüchtlinge in Spanien – dem neuen Brennpunkt am Mittelmeer. Denn nach Süditalien gelangten seit Januar nur noch 18 000 Menschen – 80 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Trendwende ist wohl eine Folge der EU-Zusammenarbeit mit Libyen und des harten Kurses der italienischen Regierung. Die libysche Küstenwache stoppt inzwischen viele Boote und bringt die Migranten nach Libyen zurück – in diesem Jahr schon 12 000 Menschen. Zudem hat Italien seine Häfen für die Rettungsschiffe der im Mittelmeer tätigen humanitären Organisationen geschlossen. Auch Handelsschiffe und Marineschiffe europäischer Länder stoßen auf immer größere Probleme, wenn sie Gerettete nach Italien bringen wollen.

Im östlichen Mittelmeer, auf der Route nach Griechenland, werden ebenfalls wieder mehr Boote mit Einwanderern registriert – allerdings weniger als in Spanien. Unter dem Strich hat sich die Migration übers Mittelmeer halbiert. Zu diesem Rückgang wiederum haben die Abkommen mit der Türkei und Libyen beigetragen, die inzwischen durch strengere Kontrollen versuchen, Abfahrten von ihren Küsten zu stoppen. Im Falle Libyens sind auch Rückkehrprogramme angelaufen.



Inzwischen verhandelt die EU mit Marokko über eine engere Zusammenarbeit bei der Kontrolle der Migrationsroute nach Spanien. Dem Vernehmen nach stellte Brüssel 30 Millionen Euro bereit, um Marokkos Küstenüberwachung zu verbessern. Ob dieses Angebot ausreicht, um die Route nach Spanien zu kappen, bleibt abzuwarten. Europäische Sicherheitskreise schließen nicht aus, dass Marokko seinen Grenzschutz in letzter Zeit bewusst lockerte, um Brüssel unter Druck zu setzen und weitere Hilfen herauszuschlagen. Der Türkei hatte die EU im Zuge des „Aktionsplan zur Begrenzung der Zuwanderung“ insgesamt drei Milliarden Euro zugesagt.