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Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Staaten
Wie Deutschland ausländische Fachkräfte anwerben will

Berlin/Nürnberg. Vor allem in Nicht-EU-Staaten will die Bundesregierung aktiv werden. Dazu sind eine Reihe von Maßnahmen notwendig, über die am Montag ein Gipfel beriet. Von Andreas Hoenig, Martina Herzog und Michael Donhauser

„Make it in Germany.“ Mit diesem Slogan wirbt Deutschland um ausländische Fachkräfte. Auf einem Internetportal gibt es eine Jobbörse und Infos zu Sprachkursen. Es wird auf die gute Qualität von Bildungs- und Gesundheitssystem verwiesen, auf die politische Stabilität – und auf im internationalen Vergleich kurze Arbeitszeiten mit vielen Urlaubs- und Feiertagen. Die Werbung ist nötig: Denn die Bundesregierung sieht Deutschland zunehmend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Wie das klappen soll, berieten Kanzlerin Angela Merkel (CDU), mehrere Bundesminister, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften am Montagabend bei einem Spitzentreffen in Berlin.

Worum es geht: Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das Anfang März in Kraft tritt, soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten leichter den Weg nach Deutschland ebnen. Die Fachkräftestrategie der Bundesregierung basiert auf drei Säulen. Zum einen soll das Fachkräftepotenzial im Inland besser genutzt werden. So sollen Arbeitslose qualifiziert werden, damit sie einen Job finden. Zum anderen soll es weiter Zuwanderung aus EU-Staaten gehen. Die Regierung geht aber davon aus, dass die Zuwanderung aus der EU abnimmt – weil diese Länder ihre Fachkräfte selbst brauchen. Deswegen soll die „dritte Säule“ gestärkt werden: die Einwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern.



In welchen Berufen es Engpässe gibt: Engpässe bestehen laut Fachkräftestrategie derzeit bei Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – daneben sind der Bau, der Hotel- und Gaststättenbereich sowie Gesundheitsberufe betroffen.

Wie und wo Fachkräfte angeworben werden sollen: Länder, in denen Fachkräfte angeworben werden sollen, sind etwa Brasilien, Indien, Vietnam und Mexiko. Entscheidend ist, dass Länder Interesse an einer Zusammenarbeit haben – also überhaupt zulassen, dass Fachkräfte angeworben werden sollen. Ist das der Fall, soll die Beratung von Interessierten im Ausland verbessert werden. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Auslandshandelskammern. Besonders wichtig: Angebote bereits im Ausland, um Deutsch zu lernen.

Die Visum-Frage: Auch die begehrteste Fachkraft kommt nicht weit ohne Visum. Die deutschen Auslandsvertretungen, die die Dokumente ausstellen, erweisen sich bisher als Flaschenhals. Angesichts der stark gestiegenen Nachfrage habe man an betroffenen Standorten bereits aufgestockt, sowohl personell als auch räumlich, heißt es aus dem Auswärtigen Amt.

Integration der Einwanderer: Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, warnte davor, alte Fehler zu machen. „Es war falsch, die sogenannten Gastarbeiter der 1950er und 1960er Jahre nicht systematisch zu integrieren“, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ausländische Fachkräfte müssten in allen Lebensbereichen integriert werden.