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Wer Kinder hat, zahlt bei der Rente drauf

Berlin. Mit der von Schwarz-Rot geplanten Mütterrente soll es bei der Altersvorsorge gerechter zugehen. Doch eine neue Studie zeigt, dass gerade Familien im aktuellen System benachteiligt sind. dpa

Rund 200 Milliarden Euro gibt der Staat im weitesten Sinn pro Jahr für familienbezogene Leistungen aus - und ausgerechnet bei der Rente gibt es offensichtlich ein großes Defizit: Die Rentenversicherung benachteiligt nach einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung Väter, Mütter und Kinder massiv. Also jene, auf die das System besonders angewiesen ist. Daran ändere auch die geplante bessere Mütterrente nichts. Das Fazit der Studie lässt sich schlicht so umschreiben: "Wer Kinder hat, zahlt drauf." Das jetzige System sei nicht "demografiefest und familiengerecht".

In welchem Ausmaß, hat der Autor der Analyse, der Ökonom und Berater der Bundesregierung Martin Werding, ermittelt: Danach wird ein heute 13-Jähriger im Laufe seines Lebens im Schnitt etwa 77 000 Euro mehr in die Rentenkasse einzahlen als er später daraus erhalten wird. Für Werding steht damit fest: "Das rentenfinanzierte Umlagesystem belastet Familien in besonderer Weise."

Der Lehrstuhlinhaber für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum spricht von einem "grundlegenden Systemfehler in der Konstruktion der Rentenversicherung". Gemeint ist damit, dass die Doppelbelastung von Familien - anders als kinderlose Erwerbstätige investieren Eltern neben ihren Beiträgen zur Alterssicherung auch noch Zeit und Geld in ihre Kinder - im System der Rente nicht angemessen honoriert wird.

Kinder seien "ein Armutsrisiko", stellt die Bertelsmann-Stiftung fest und fordert eine grundlegende Reform. Es gebe zwei Alternativen, die Eltern in der aktiven Familienphase besserstellen. Das eine Modell sieht vor, das Rentensystem um Kinderfreibeträge nach dem Vorbild des Steuersystems zu ergänzen. Dadurch würden Eltern in dieser Phase weniger in die Rentenkasse einzahlen - ohne dass ihr Rentenanspruch geschmälert würde. Der Staat müsste diese Lücke dann mit Steuergeld füllen. Als zweite Variante propagiert die Studie ein Drei-Säulen-Modell aus Basisrente, Kinderrente und obligatorischer Sparrente. Unterm Strich wird es für alle teurer. Die Alterslast kann nach Ansicht Werdings aber gerechter verteilt werden.