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USA in heller Aufregung
Päckchen für Trump-Gegner erschüttern ein gespaltenes Land

Besorgt um Amerika: Hillary Clinton, Adressatin einer Rohrbombe.
Besorgt um Amerika: Hillary Clinton, Adressatin einer Rohrbombe. FOTO: dpa / Emily Michot
Washington. Wer die Rohrbomben an ranghohe Demokraten und liberale Köpfe schickte, ist noch unklar. Für Kritiker ist aber einer mitverantwortlich: der Präsident. Von Frank Herrmann

Persönlich fühle sie sich gut, als Amerikanerin mache sie sich Sorgen, fasste Hillary Clinton ihre Gemütslage zusammen, nachdem Meldungen über vereitelte Briefbombenanschläge die USA in helle Aufregung versetzt hatten. Dies seien verstörende Zeiten, Zeiten tiefer Spaltung, sagte die ehemalige Außenministerin, „und wir müssen alles in unseren Kräften Stehende tun, um das Land wieder zusammenzubringen“.

Clinton war nach Florida geflogen, um die Spendentrommel für eine Parteifreundin zu rühren, die am 6. November in den Kongress gewählt werden will. Ihr Mann Bill hingegen war zu Hause geblieben, in Chappaqua, einem Vorort New Yorks. Er hätte den Brief mit der Rohrbombe womöglich geöffnet, hätte ihn der Secret Service, der einen Ex-Präsidenten auch nach seinem Abschied vom Amt zu schützen hat, nicht rechtzeitig abgefangen. Stand gestern waren es bereits mindestens acht verdächtige Kuverts, die entdeckt wurden, bevor die Sprengsätze, die sie enthielten, detonieren konnten. Nach Angaben der Behörden enthielt jedes Batterien, einen Zünder und weißes Pulver, das als Sprengstoff taugte.

Es gebe Zweifel, ob die Rohrbomben so konstruiert waren, dass sie tatsächlich hochgegangen wären, berichten amerikanische Medien. Noch weiß man nicht, wer die Briefe aufgegeben hat und wo. Auch die Frage nach dem Warum ist noch unbeantwortet, wobei keiner bezweifelt, dass das Motiv ein politisches war. Die Adressaten sind führende Köpfe der Demokratischen Partei oder Prominente, die für linksliberale Ansichten stehen und Donald Trump kritisiert haben: Hillary Clinton, der frühere Präsident Barack Obama, Ex-Vizepräsident Joe Biden, der Milliardär George Soros, Ex-Justizminister Eric Holder. Ein weiteres Päckchen erhielt die CNN-Redaktion. Schließlich traf es gestern den „Tribeca Grill“, ein Restaurant im Süden Manhattans, dessen Besitzer der Schauspieler und Regisseur Robert de Niro ist – auch er ist ein scharfer Kritiker Trumps. Die Frage nach dem Motiv halten Charles Schumer und Nancy Pelosi daher längst für geklärt. Trump habe die Nation mit Worten wie Taten gespalten, schreiben die beiden führenden Demokraten im Kongress in einer Erklärung. Erst neulich habe Trump einen Republikaner in Montana gelobt, weil der einen Journalisten niederschlug, der ihn nervte.



Trump hatte die Anschlagsversuche am Mittwoch verurteilt. Er sei wütend, traurig und unglücklich. Am Abend bei einer Kundgebung in Wisconsin rief er dazu auf, „in Frieden und Harmonie“ zu leben. Die Medien, schob er aber schon wieder angriffslustig hinterher, hätten die Verantwortung, einen zivilen Ton anzuschlagen und „Fake News“ zu stoppen.