| 23:56 Uhr

Causa Seppelt sorgt für Entrüstung
Viele Politiker kritisieren WM-Gastgeber Russland

ARD-Reporter 
Hajo Seppelt 
ist von Russland die Einreise zur Fußball-WM 
verweigert 
worden.
ARD-Reporter Hajo Seppelt ist von Russland die Einreise zur Fußball-WM verweigert worden. FOTO: dpa / Maurizio Gambarini
Köln. Das Land, in dem in diesem Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, hatte dem ARD-Reporter Hajo Seppelt die Einreise zu den Wettkämpfen verweigert.

Das WM-Einreiseverbot für ARD-Investigativ-Journalist Hajo Seppelt wird zum Politikum. Von politischer Seite werden teilweise massive Maßnahmen gefordert.

Vor allem die FDP sieht Außenminister Heiko Maas (SPD) in der Pflicht. Er solle „den russischen Botschafter einbestellen und darauf hinweisen, dass auch während der WM eine freie Berichterstattung für Deutschland unabdingbar ist und auch im Interesse Russlands liegen dürfte“, sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Wolfgang Kubicki der „Welt am Sonntag“. Das Auswärtige Amt stellte klar: „Wir haben, auch in Absprache mit der ARD, mit den zuständigen Stellen Kontakt aufgenommen und drängen auf unverzügliche Klärung.“

Russland hatte das Visum für Seppelt für ungültig erklärt und diesem die Einreise zur WM verweigert (wir berichteten). Seppelt stehe auf einer Liste der in Russland „unerwünschten Personen“. Für den Journalisten liegt der Grund auf der Hand. „Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen“, sagte Seppelt, „das spricht für sich. Man darf gespannt sein, ob die Fifa, die den Zugang zu ungehinderter Berichterstattung über ihr Turnier gewährleisten muss, sich dieser Sache annehmen wird.“



Grünen-Chefin Annalena Baerbock verlangt Konsequenzen durch die Bundesregierung. Die Regierung „muss klipp und klar deutlich machen, dass die Verweigerung der Einreise für kritische Journalisten nicht akzeptabel ist“, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Außerdem appellierte sie an die Politiker, der ersten WM-Endrunde auf russischem Boden fernzubleiben.

DFB-Präsident Reinhard Grindel glaubt derweil fest an eine Lösung der Causa Seppelt. „Ich habe volles Vertrauen, dass die Fifa jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann“, teilte der 56-Jährige mit, der Mitglied im Fifa-Council ist.

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, forderte Russland auf, das Einreiseverbot zurückzunehmen. „Russland sollte die Verweigerung des Visums für Herrn Seppelt korrigieren“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“, „sonst entsteht der begründete Verdacht, dass Russland entweder etwas zu verbergen oder ein Problem mit Transparenz und Fair Play im Sport hat oder beides.“

Zuvor hatte auch Stephan Mayer (CSU), der für den Sport zuständige parlamentarische Innenstaatssekretär, und die Sportausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) das Vorgehen Russlands scharf kritisiert. Dies sei ein „denkbar schlechter Vorbote für eine objektive und unabhängige Berichterstattung im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft“, sagte Mayer der ARD. Freitag bezeichnete die Entscheidung „nicht nur völlig ungerechtfertigt, sondern geradezu skandalös“.

(SID)