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Viele Fakten und viele offene Fragen

Freiburg. Der Fall um eine getötete Studentin in Freiburg zieht immer weitere Kreise. Die neue Spur nach Griechenland und das Versagen der Behörden stehen mittlerweile im Fokus, aber die Lage ist verwirrend. Ein Faktencheck. Agentur

In Freiburg ermittelt die Polizei seit Wochen, aber der Fall ist vielschichtig und unübersichtlich:

Was wir wissen: Die 19 Jahre alte Medizinstudentin wurde im Oktober am Fluss Dreisam vergewaltigt und ertrank. Festgenommen wurde sieben Wochen nach der Tat Hussein K. Am Tatort fanden sich seine DNA-Spuren. Hussein K. äußert sich nicht. Er hat einen Anwalt und sitzt in einem Gefängniskrankenhaus. Nach einem Abgleich von Fingerabdrücken steht fest: Hussein K. hat 2013 auf der griechischen Insel Korfu eine 20-jährige Studentin eine hohe Klippe hinabgeworfen. Das Opfer überlebte schwer verletzt.

Hussein K. wurde für die Tat in Griechenland 2014 wegen versuchten Mordes zu zehn Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt und Ende Oktober 2015 mit Auflagen entlassen. Nach kurzer Zeit aber tauchte er unter. Im November 2015 kam er nach Deutschland, beantragte Asyl und wurde in Freiburg in einer Pflegefamilie untergebracht. Dort lebte er bis zu seiner Festnahme.



Was wir nicht wissen: Unklar ist den Ermittlern der Tatablauf in Freiburg . Zudem ist offen, ob Hussein K. und das Opfer sich kannten. Unklar ist, ob die Studentin in Freiburg ertränkt wurde oder nach dem Sexualverbrechen bewusstlos im Wasser lag und ertrank. Offen ist, ob Hussein K. für weitere Taten verantwortlich ist. Die Polizei prüft dies, ohne jedoch konkrete Hinweise zu haben.

Hussein K. gab bei seiner Einreise 2015 in Deutschland an, er stamme aus Afghanistan und sei 1999 geboren. Verlässliche Dokumente legte er nach Angaben der Freiburger Staatsanwaltschaft nicht vor. Sein Alter und seine Herkunft sind deshalb unklar und werden nun überprüft.

Unklar ist, wieso die griechischen Sicherheitsbehörden nach dem Abtauchen des Verdächtigen nicht die anderen Staaten informierten. Sie fahndeten nur im eigenen Land. Außerhalb Griechenlands war Hussein K. daher ein unbeschriebenes Blatt. Offen ist auch, wann die deutsche Polizei nach dem Abgleich der Fingerabdrücke weitere offizielle Angaben der griechischen Sicherheitsbehörden erhält. Offen ist, ob Hussein K. in Deutschland nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angeklagt wird. Dies hängt vom Ergebnis der Altersüberprüfung ab.