| 00:12 Uhr

Armutsquote läge 2030 bei 5,5 Prozent
Versicherer: Altersarmut steigt eher moderat an

Berlin. Die Deutsche Rentenversicherung erwartet keinen rasanten Anstieg der Grundsicherungsquote in den nächsten Jahren.

Die allgemeinen Befürchtungen über einen rasanten Anstieg der Altersarmut sind offenbar zum großen Teil unbegründet. Das geht aus einer Untersuchung der Deutschen Rentenversicherung hervor, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Demnach könnte die Zahl der Ruheständler, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind, bis zum Jahr 2030 im ungünstigen Fall auf etwas mehr als eine Million steigen. Die Armutsquote läge dann bei 5,5 Prozent. Heute sind es 3,1 Prozent. Man wolle „nichts verharmlosen“, stellte die Forschungsleiterin der Rentenversicherung, Brigitte Loose, klar. Wahr sei aber auch, dass „Katastrophenmeldungen“ über „vollkommen überzogene Armutsquoten“ das Vertrauen in die gesetzliche Alterssicherung sinken ließen, sagte Loose.

Tatsächlich ist die Angst vor Altersarmut in der Bevölkerung weit verbreitet. Einer früheren Erhebung zufolge rechnet weit mehr als jeder Dritte (38 Prozent) damit, im Alter von staatlicher Stütze leben zu müssen. Und Schlagzeilen wie „Auf das Rentensystem rollt ein Tsunami zu“, oder „Zahl der Rentner mit Hartz-IV-Aufstockung explodiert“ dürften die Befürchtungen nicht kleiner werden lassen.

Ein Blick auf die Statistik zeigt allerdings, dass der Anteil der älteren Grundsicherungsbezieher an allen Ruheständlern zuletzt sogar leicht gesunken ist – von 3,2 auf 3,1 Prozent. Eine vergleichbare Entwickung gab es auch schon in den Jahren 2008 und 2009, als sich die Quote von 2,5 auf 2,4 Prozent verringert hatte. Ursache war seinerzeit eine Anhebung des Wohngeldes für einkommensschwache Haushalte. Der jüngste leichte Rückgang ist nach Auskunft der Rentenversicherung auf die kräftige Anhebung der Altersbezüge im Jahr 2016 zurückzuführen. Damals gab es eine Rentenerhöhung von mehr als vier Prozent im Westen und fast sechs Prozent im Osten. Nach aktuellem Stand ist der Anteil der älteren Grundsicherungsempfänger in Ost (2,1 Prozent) und West (3,3 Prozent) ebenfalls unterschiedlich. Und bei den Frauen (3,2 Prozent) liegt die Quote insgesamt höher als bei den Männern (2,9 Prozent). Nach den Erwartungen der Rentenversicherung werden sich die Quoten angleichen.



Auf Basis der bisherigen Entwicklung bei den Grundsicherungsquoten geht die Rentenversicherung von zwei Szenarien aus: Unter günstigen Umständen könnte die Zahl der Rentner, die auf Stütze angewiesen sind, von jetzt rund 526 000 auf etwa 834 000 im Jahr 2030 steigen. Berücksichtigt sind hier Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentner. In der schlechteren Variante, die etwa auf der Annahme eines wachsenden Ausländeranteils unter den bedürftigen Rentnern beruht, könnten es 1,1 Millionen werden. Die Quote schwankt damit zwischen 4,3 und 5,5 Prozent. Letzteres bedeutet: Etwa jeder 18. Rentner würde 2030 als arm gelten.