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Verdi-Experte zu Kirchenarbeitsrecht
„Es darf keine Unterschiede geben“

Verdi-Sekretär 
Ben Brusniak, 
Experte für kirchliches 
Arbeitsrecht.
Verdi-Sekretär Ben Brusniak, Experte für kirchliches Arbeitsrecht. FOTO: Ben Brusniak
Saarbrücken. Der Experte von Verdi-Saar lehnt die Sonderrechte kirchlicher Arbeitgeber ab. Von Jana Bohlmann

Ben Brusniak, Gewerkschaftssekretär bei Verdi im Saarland, berät unter anderem Arbeitnehmer, die bei einem kirchlichen Träger angestellt sind.

Welche Probleme bezüglich des kirchlichen Arbeitsrechtes gibt es im Saarland?

BRUSNIAK Pro Jahr melden sich bei uns zwei bis drei Arbeitnehmer mit einer explizit kirchlichen Problematik. Das Problem ist meistens, dass sie aus der Kirche austreten möchten, der Arbeitgeber aber mit einer Abmahnung oder Kündigung droht. Bis zur Kündigung ist es im Saarland allerdings noch nicht gekommen. Es gab mehrfach Gespräche und Androhungen arbeitsrechtlicher Konsequenzen, aber es wurde nie durchgeführt.



Wie soll das EuGH-Urteil ausfallen?

BRUSNIAK Ich hoffe natürlich, dass der Chefarzt gewinnt. Es muss gegeben sein, dass Menschen, die bei Kirchen arbeiten, immer mehr an die normale Arbeitswelt angeglichen werden. Es darf keine Unterschiede mehr geben.

Was würde ein solches Urteil für die Kirchen bedeuten?

BRUSNIAK Es wäre gut für die Kirchen. Es würde ihnen eine Möglichkeit bieten, sich wieder als gesellschaftsfähig zu positionieren und von altbackenen Normen abzusehen.

Ist der Sonderstatus der Kirchen noch zeitgemäß?

BRUSNIAK Nein, auf gar keinen Fall! Es kann nicht sein, dass im Jahr 2018 Menschen, die bei einer Kirche arbeiten, weniger Rechte haben als Arbeitnehmer, die nicht für einen kirchlichen Träger tätig sind. Es muss möglich sein, dass die kirchlichen Beschäftigten die gleichen Regeln und Rechte haben wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Man muss doch im Jahr 2018 das Recht haben, sich kollektiv zu vereinigen und für Verbesserung zu kämpfen. Das ist immer noch ein gesellschaftlicher Rückschritt.

Das Gespräch führte
Jana Bohlmann