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Verbände fürchten Verunsicherung von Vergewaltigungsopfern

Berlin. Der Freispruch von Wettermoderator Jörg Kachelmann hat ein geteiltes Echo hervorgerufen. Frauenrechts- und Opferschutzverbände fürchten, dass wegen des Trubels um den Prozess und der Vorverurteilung der Nebenklägerin in Teilen der Öffentlichkeit nun noch weniger Frauen Vergewaltigungen anzeigen würden

Berlin. Der Freispruch von Wettermoderator Jörg Kachelmann hat ein geteiltes Echo hervorgerufen. Frauenrechts- und Opferschutzverbände fürchten, dass wegen des Trubels um den Prozess und der Vorverurteilung der Nebenklägerin in Teilen der Öffentlichkeit nun noch weniger Frauen Vergewaltigungen anzeigen würden. Dass ein Freispruch nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" häufig "Im Zweifel gegen das Opfer" bedeute, sei vielen Juristen nicht bewusst, sagte Veit Schliemann vom Weißen Ring. Der Freispruch löst nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Frauennotrufe Unsicherheit bei Vergewaltigungsopfern aus. "Damit bestätigt sich die schlimmste Befürchtung von Frauen. Die Angst, dass man ihnen eine Vergewaltigung nicht glaubt", sagte Gudrun Wörsdörfer vom Frauennotruf.Die Juristin Monika Frommel, Direktorin des Instituts für Sanktionenrecht und Kriminologie an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, fällte ein vernichtendes Urteil: "Wir haben einen schrecklichen amerikanisierten Medienprozess erlebt." Der Freispruch für Kachelmann sei "zwingend". Medienanwalt Christian Schertz forderte, den Umgang der Justiz mit den Medien zu prüfen. Im SWR sagte er: "Wir werden prüfen müssen, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, wo der bloße Vorwurf eines Fehlverhaltens zu einer derartigen Vernichtung bereits vor dem Urteil führt." Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kritisierte die Medien. Sie sagte: "Die Unschuldsvermutung ist in Gefahr, wenn Medien ihr Urteil fällen, lange bevor Richter gesprochen haben." dpa