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Vatikan gibt weltweiten Protesten nach

Vatikanstadt/Berlin. Nach tagelangem öffentlichem Druck hat der Vatikan den erzkonservativen Bischof Richard Williamson (Foto: dpa) aufgefordert, seine Leugnung des Holocaust zu widerrufen. Williamson solle sich "eindeutig und öffentlich" von seinen Äußerungen distanzieren, erklärte der Vatikan gestern. Papst Benedikt XVI

Vatikanstadt/Berlin. Nach tagelangem öffentlichem Druck hat der Vatikan den erzkonservativen Bischof Richard Williamson (Foto: dpa) aufgefordert, seine Leugnung des Holocaust zu widerrufen. Williamson solle sich "eindeutig und öffentlich" von seinen Äußerungen distanzieren, erklärte der Vatikan gestern. Papst Benedikt XVI. (Foto: dpa) äußerte sich in seiner wöchentlichen Generalaudienz nicht zur Kritik an seiner Person und dem Holocaust-Streit. Williamson müsse die Leugnung widerrufen, bevor er als Bischof wieder eingesetzt werden könne, teilte das Staatssekretariat des Vatikans mit. Zugleich müsse die Priesterbruderschaft Pius X. das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) und die Lehren der folgenden Päpste anerkennen, bevor ihre Mitglieder vollständig rehabilitiert werden könnten. Williamson hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen gesagt, er denke, dass "200 000 bis 300 000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben" seien, aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern". Die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Bischöfen der Pius-Bruderschaft am 24. Januar durch Papst Benedikt XVI. hatte einen weltweiten Sturm der Entrüstung ausgelöst. Benedikt XVI. habe zu diesem Zeitpunkt nichts von dem Interview Williamsons gewusst, teilte der Vatikan nun mit. Am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als erste Regierungschefin vom deutschen Papst eine eindeutige Klarstellung verlangt. Wenn durch die Haltung des Vatikans der Eindruck entstehe, dass der Holocaust geleugnet werden könne, dürfe dies nicht ohne Folgen bleiben, sagte Merkel. Der Vatikan hatte daraufhin zunächst erklärt, der Papst habe jede Form der Holocaust-Leugnung bereits klar verurteilt und die Kritik Merkels abgewiesen. afp