| 22:40 Uhr

Neuer Saarbrücker Oberbürgermeister
„Wir haben den Anfang eines neuen Kapitels“

 So sieht ein glücklicher Gewinner aus: Uwe Conradt jubelt nach seinem Erfolg bei der Saarbrücker Oberbürgermeisterwahl und erhält reichlich Beifall von seiner Frau Jane, dem saarländischen Finanzminister Peter Strobel (CDU, links) und Ministerpräsident Tobias Hans (CDU, rechts).
So sieht ein glücklicher Gewinner aus: Uwe Conradt jubelt nach seinem Erfolg bei der Saarbrücker Oberbürgermeisterwahl und erhält reichlich Beifall von seiner Frau Jane, dem saarländischen Finanzminister Peter Strobel (CDU, links) und Ministerpräsident Tobias Hans (CDU, rechts). FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der künftige Saarbrücker Oberbürgermeister setzt auf die frühe Beteiligung der Bürger und eine Gleichbehandlung aller Stadtteile. Von Ilka Desgranges

Nach mehr als vier Jahrzehnten hat Uwe Conradt am Sonntag den Chefsessel im Saarbrücker Rathaus für die CDU zurückerobert und knapp die Stichwahl gegen Amtsinhaberin Charlotte Britz (SPD) gewonnen. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät der 42-Jährige, was er nach dem überraschenden Sieg zuerst angehen will.

Herr Conradt, wie fühlen Sie sich am Tag danach?

CONRADT Ich habe noch nie so neben mir gestanden wie gestern zwischen 18 und 21 Uhr. Und heute ist das erst einmal ein Gefühl von großer Verantwortung. Wir haben etwas geleistet für diese Stadt, es ist ein langer Weg gewesen, es war knapp. Es hätte auch andersrum ausgehen können. Wir haben jetzt den Anfang eines neuen Kapitels, und deshalb geht es mir gut.



Hatten Sie mit Ihrem Sieg gerechnet?

CONRADT Die Entscheidung, als OB zu kandidieren, musste zuerst in mir wachsen. Als ich Ja zu mir als Politiker gesagt hatte, wusste ich, ich kann gewinnen. In meinen Zukunftswerkstätten und in den letzten Wochen im Straßenwahlkampf habe ich eine so tolle Unterstützung aus Stadt und Gesellschaft erfahren, dass ich gemerkt habe, der Wechsel wird kommen.

Friedrich Merz hat Ihnen mit den Worten gratuliert: „CDU kann auch Großstadt.“ Das müssen Sie in den nächsten zehn Jahren nun auch beweisen. Was haben Sie vor?

CONRADT Ich weiß nicht, ob CDU wirklich schon Großstadt kann, wenn ein CDU-Kandidat gewinnt. Ich weiß, dass eine Menge Menschen mich gewählt haben, für die die CDU eine große Hürde war. Diese Hürde in Zukunft kleiner zu machen, in der Stadtgesellschaft CDU zu wählen, darin sehe ich eine wichtige Aufgabe. Insofern hat die CDU noch viel zu lernen.

Von Charlotte Britz sagten Sie gestern: „Sie war jetzt 15 Jahre im Amt, und es ging um zehn Jahre, da wünschen sich die Bürger wohl eine andere Herangehensweise.“ Was meinen Sie damit?

CONRADT Ich würde gerne, bevor wir in große Planungen einsteigen, die Bürgerbeteiligung an den Anfang setzen. Ich glaube, wir haben Bürgerbeteiliung bislang oft dann erst, wenn die Pläne schon nahezu ausgearbeitet sind. Das will ich umdrehen. Das Zweite ist: Es gibt eine Menge Stadtteile, die sich nicht zugehörig fühlen zu Saarbrücken. Die sich nicht gesehen fühlen, die nicht im Fokus des Interesses stehen. Für mich sind alle Stadtteile zusammen Saarbrücken.

Eine Großstadt wie Saarbrücken ist ja eine Art Konzern, braucht durchaus einen Manager. Wie sind Sie darauf vorbereitet?

CONRADT Den Stadtkonzern kenne ich aus zehn Jahren Stadtrat. Das Zweite ist: Ich leite heute schon eine Verwaltung.

Die ist allerdings viel kleiner.

CONRADT Ja, aber mit vielen verschiedenen Aufgabenfeldern. Das ist von der Grundstruktur auch nicht anders. Und dann bin ich von meiner Ausbildung her Diplomkaufmann. Und auch dadurch bin ich gut vorbereitet, einen Konzern zu leiten.

Mit wem würden Sie im Stadtrat gerne zusammenarbeiten?

CONRADT Das ist eine interessante Frage. Natürlich erst einmal mit all denen, die für Saarbrücken ein neues Kapitel aufmachen möchten, die mehr Dynamik möchten, die die Ambition haben, diese Stadt weiter wachsen zu lassen, wieder erfolgreich zu sein. Egal, ob es um Ansiedlungen geht oder um die Vermarktung unserer Kultur

Das klingt jetzt nach: Offen für alle, aber es gibt doch bestimmt Menschen, mit denen Sie in dieser Woche mal reden werden.

CONRADT Es gibt einen guten und offenen Umgang im Stadtrat miteinander, und das sollte eine solide Basis sein, um Saarbrücken gemeinsam voranzubringen.

Na dann. Was gehen Sie in Ihrem neuen Amt als Erstes an?

CONRADT Als Erstes möchte ich „Vertrauen in die Politik“ auf die Tagesordnung setzen. Es gibt viele, die nicht gewählt haben, denen egal ist, wer Oberbürgermeister ist. Als erstes werde ich die Bürger bitten, mir ein Bild von etwas zu schicken, das sie gerne geändert hätten. Und ich möchte ihnen in meiner Amtszeit ein zweites Bild schicken, auf dem sie sehen, dass wir es geändert haben.

Nun gelten Sie ja in Teilen der Stadt seit Ihrer Äußerung zu den so genannten Randständigen an der Johanneskirche in der Innenstadt als harter Hund. Sie bleiben aber dabei?

CONRADT Erst einmal bleibe ich dabei, dass ich dieses Wort nie benutzt habe. An der Johanneskirche gibt es eine Gruppe von Menschen, die eine andere Tagesstruktur braucht Ich glaube, dass wir uns um diese Menschen intensiver kümmern müssen. Das ist eine Frage von aktiver Sozialarbeit – eine Haltestelle anzubieten, ist keine Sozialarbeit. Sicherheit ist eine Grundvoraussetzung für eine bunte und vielfältige Stadtgesellschaft. Ich will die Stadtgestaltung verbessern, lege Wert auf mehr Sauberkeit und werde den Ordnungsdienst stärken.

Frau Kramp-Karrenbauer, die Ihnen gestern ja auch zu Ihrem Wahlerfolg gratuliert hat, hat gerade ein Problem mit den modernen, den jungen Kommunikationsformen. Und damit steht sie nicht allein. Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie zu denen gehören, die der CDU dabei helfen, möglichst bald besser mit Youtubern wie Rezo umgehen zu können?

CONRADT Ich bin immer bereit, meiner Partei zu helfen. Das gilt selbstverständlich auch in der digitalen Welt, in der ich gut vernetzt bin und in der ich mich sehr gut auskenne. Ich glaube, wir haben als CDU auch dort noch einen weiten Weg vor uns, aber wenn wir die große integrierende Kraft der Mitte bleiben wollen, müssen wir uns auf den Weg machen.

Am 1. Oktober beginnt jetzt Ihr Weg als neuer Saarbrücker Oberbürgermeister. Was machen Sie bis dahin?

CONRADT Bis dahin leite ich die Landesmedienanstalt und die Film- und Gamesförderung, also die Förderung für die Entwicklung von Computerspielen. Ich werde dem Land im Sommer noch ein neues Konzept zur Weiterentwicklung des Medienstandortes vorstellen. Das wird gerade in der Landeshauptstadt wichtige Auswirkungen haben. Hier haben wir die Hochschulen, hier haben wir einen Großteil der Kreativwirtschaft. Um hier weiterzukommen, brauchen wir eine stärkere Kooperation zwischen der Landeshauptstadt und dem Land.