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USA drohen mit einem Teilabzug ihrer Truppen aus Deutschland.
Amis vor dem Abmarsch?

 Selfies mit dem Präsidenten beim Besuch von Donald Trump im Dezember 2018 auf dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Ramstein. Jetzt will Trump die in Deutschland stationierten Truppen angeblich deutlich reduzieren.
Selfies mit dem Präsidenten beim Besuch von Donald Trump im Dezember 2018 auf dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Ramstein. Jetzt will Trump die in Deutschland stationierten Truppen angeblich deutlich reduzieren. FOTO: dpa / Andrew Harnik
Ramstein/Spangdahlem. Washington droht mit einem Teilabzug seiner Truppen aus Deutschland. Wie sehen das die Menschen an den US-Standorten in der Region? Von Wolfgang Jung und Birgit Reichert

Der Name ist nicht schmeichelhaft. „Flugzeugträger der Amerikaner in Deutschland“ – diesen Ruf haben Stützpunkte wie das riesige Ramstein mit Tausenden US-Soldaten sowie Kampfjets und Granaten dem Bundesland Rheinland-Pfalz eingebracht. Seit 2011 ist Ramstein die Zentrale der umstrittenen Drohneneinsätze der USA. Doch der „Flugzeugträger“ könnte nun bald weiterfahren. Unverhohlen drohen die USA mit einem Teilabzug ihrer Truppen von Deutschland nach Polen, Grund sind unter anderem die aus Sicht Washingtons geringen Verteidigungsausgaben der Bundesregierung. Also: Goodbye, GI? Wie sehen die Menschen an den US-Stützpunkten das? Vor allem in Rheinland-Pfalz, in dem laut Innenministerium rund 18 500 US-Soldaten stationiert sind? Bundesweit sind es mehr als 33 000.

„Die Streitkräfte sind natürlich ein wertvoller Wirtschaftsfaktor“, sagt Bürgermeister Ralf Hechler von der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. Er schätzt die Finanzkraft – also Löhne, Gehälter, Mieten und Aufträge in die regionale Wirtschaft – auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar im Jahr. Hinzu kommt aktuell rund eine Milliarde US-Dollar für ein neues US-Krankenhaus. „Parallel läuft ein großes Schulbauprogramm, Middle School und High School werden neu errichtet. Allein auf der Air Base sind Kapazitäten für rund 3500 Schülerinnen und Schüler“, schildert der CDU-Politiker.

Wer die amerikanische Militärpräsenz in Rheinland-Pfalz aufzählt, dem gehen schnell die Superlative aus. Mit rund 3300 Mitarbeitern steht in Landstuhl das größte Lazarett der US-Streitkräfte außerhalb der USA. Ramstein gilt als das wichtigste US-Drehkreuz in Europa. Kaiserslautern ist die größte Militärcommunity außerhalb der USA: „Allein in der Region Kaiserslautern sind die US-Streitkräfte mit rund 50 000 Menschen präsent“, erzählt Bürgermeister Hechler.



Amerikaner in Rheinland-Pfalz, das ist viel mehr als Militär und geopolitisches Kalkül. Längst gibt es soziale Verflechtungen in Kirchengemeinden, Vereinen, Lebenspartnerschaften. Hollywoodstar Bruce Willis ist dafür ebenso ein Beispiel wie Schriftsteller Charles Bukowski, beide in Deutschland als Sohn stationierter US-Soldaten geboren. Oft ist es eine Verbindung über die Dienstzeit hinaus. „Wenn Amerikaner in Ruhestand gehen“, sagt Hechler, „kaufen sich sehr viele ein Eigenheim und bleiben in Deutschland – die meisten für immer.“

Uncle Sam ist auch Arbeitgeber: Allein in Rheinland-Pfalz sind rund 7200 deutsche Ortskräfte an US-Standorten beschäftigt. Die Gewerkschaft werde mit Nachdruck für den Erhalt der zivilen Arbeitsplätze kämpfen, sagt Susanne Riedel von Verdi. Und sie kritisiert scharf die US-Botschafterin in Warschau, Georgette Mosbacher, die offen für eine Verlegung der US-Streitkräfte nach Polen wirbt: „Solche Äußerungen schüren Angst und Schrecken.“

Auch für Ortsbürgermeister Alois Gerten (parteilos) in Spangdahlem ist ein Abzug von US-Soldaten vom dortigen Flugplatz nicht vorstellbar. „Es wäre für die gesamte Region ein solch großer Verlust“, sagt er im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Aussagen der USA in diese Richtung lösten in der Eifel „ernsthafte Bedenken und Betroffenheit“ aus. „Es wird Unruhe und Unsicherheit geschürt“, sagte Gerten. „Wir können nur hoffen, dass sich das wieder etwas legt.“

Die US-Luftwaffe ist seit Mitte der 1950er Jahre in Spangdahlem präsent. Das bekommt nicht zuletzt auch das Nordsaarland zu spüren. Dort häufen sich seit längerem die Klagen über den militärischen Fluglärm, vor allem von der US-Air-Base. Für Spangdahlems Ortsbürgermeister Gerten ist diese allerdings „ein bedeutender und ein guter Arbeitgeber“ für 700 bis 800 deutsche Beschäftigte. In einem großen Radius um den Flugplatz seien mehr als 2000 Wohnungen von deutschen Vermietern für amerikanische Militärangehörige am Markt, sagte Gerten. Und Dutzende kleinere und mittelständische Firmen setzten Aufträge von insgesamt etlichen Millionen Euro um.

Es sei aber nicht nur die wirtschaftliche Bedeutung, die eine Rolle spiele, betont Gerten. Die Amerikaner seien längst in der Region verwurzelt. Es gebe einen aktiven Freundschaftsverein mit vielen Veranstaltungen. Auch etliche Ehen zwischen Deutschen und Amerikanern seien über die Jahre geschlossen worden. Zudem haben die USA den Deutschen über ihre Präsenz Sicherheit gegeben: „Die Amerikaner waren schon in den letzten 70 Jahren ein treuer Begleiter.“

In Spangdahlem ist das 52. Jagdgeschwader stationiert: Es umfasst eine F-16 Kampfjet-Staffel mit mindestens 24 Flugzeugen. Zur Base gehören rund 4000 US-Soldaten. Die Angehörigen eingerechnet, leben und arbeiten zwischen 10 000 und 11 000 Menschen auf dem Stützpunkt, sagte ein Sprecher. Auf dem Flugplatz sei ein neues Schulzentrum mit Sportplätzen gebaut worden, das fast fertig sei. Zudem sei eine neue Zahnklinik im Bau.

Der rheinland-pfälzischen Landesregierung liegen nach eigenen Angaben keine Ankündigungen von US-Seite vor, die Stationierungsplanung zu ändern. „Auch die für die kommenden Jahre vorgesehenen umfangreichen Neuinvestitionen werden nach aktuellem Kenntnisstand nicht in Frage gestellt“, teilte eine Sprecherin in Mainz mit. Neben den rund 18 500 US-Soldaten gebe es noch 11 900 US-Zivilangestellte und 24 500 Familienangehörige im Land.

Auch in der Pfalz will man nicht glauben, dass US-Präsident Donald Trump die jahrzehntelang mit Höhen und Tiefen gewachsenen Beziehungen mit einem Federstrich beendet. Zumal Trump ein persönliches Verhältnis zu dem Landstrich im Südwesten Deutschlands hat: Seine Vorfahren stammen aus Kallstadt in der Pfalz. Erst Ende 2018 hatte der Berliner US-Botschafter Richard Grenell verkündet, dass Trump den Winzerort besuchen wolle. Zuletzt war davon aber keine Rede mehr.