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Diplomaten suchen das Weite
US-Botschafter kehren Trump den Rücken

Washington . Donald Trumps Rückhalt bröckelt. Jetzt distanzieren sich auch immer mehr Diplomaten von der Linie des US-Präsidenten. Jüngstes Beispiel: James D. Melville, US-Botschafter in Estland. Von Frank Herrmann

Er habe unter sechs Präsidenten gedient, erklärt er. Nun bleibe ihm nichts anderes übrig, als seinen Posten zu verlassen. Die EU sei nur gegründet worden, um sich gegenüber den USA Vorteile zu verschaffen, hatte Trump kürzlich auf einer Kundgebung erklärt. Für Melville der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Das ist nicht nur von den Fakten her falsch. Es zeigt mir auch, dass es Zeit ist, zu gehen.“

Bis vergangenen Freitag war der Mann aus New Jersey US-Botschafter in Estland, ein alter Hase, der auf 33 Jahre im diplomatischen Dienst zurückblickt.

Melville ist in diesem Jahr bereits der dritte Botschafter, der nicht nur seinen Hut nimmt, sondern auch auf Distanz zum US-Präsidenten geht. Den Anfang machte im März John Feeley, bis dahin Missionschef in Panama. Mit Trump, so Feeley, werde Amerika seine Führungsrolle nicht wiedererlangen. Auf Feeley folgte Roberta Jacobson, die Vertretungsleiterin in Mexiko. Statt Kinder von ihren Eltern zu trennen, sollte man sich um die Ursachen illegaler Einwanderung kümmern, mahnt die nunmehr Ex-Botschafterin. Das dürfte Melville, der ehemalige US-Botschafter in Estland, wohl ganz ähnlich sehen.