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Interview Timo Meyer
„Wir bereiten uns noch mehr vor“

Timo Meyer, Landesbrandinspekteur des Saarlandes.
Timo Meyer, Landesbrandinspekteur des Saarlandes. FOTO: USEC
Saarbrücken. Der Extrem-Sommer hat die Feuerwehr arg gefordert, sagt der Landesbrandinspekteur. Von Lisa Kutteruf

Weit über 3000 Unwettereinsätze gab es 2018, sagt Landesbrandinspekteur Timo Meyer. Und es ist wohl noch nicht vorbei.

Herr Meyer, das Wetter spielt dieses Jahr verrückt. Jetzt neigt sich der Sommer dem Ende zu. Erwarten Sie, dass sich die Wetterlage entspannt?

MEYER Im Gegenteil. Die Meteorologen sprechen immer wieder von einem „Popcornwetter“, hier kommt es stellenweise und nicht vorhersehbar zu starken Niederschlägen wie in den vergangenen Wochen, welche lokal aufpoppen. Die eine oder andere Kommune rüstet für weitere Unwetter nach, indem sie weitere Pumpen oder sogar eine Sandsackfüllanlage anschafft. Auch in den Landkreisen sind oder werden Fachzüge Hochwasser gebildet. Und wir Feuerwehrleute bereiten uns noch mehr auf Unwetterereignisse vor, als wir es ohnehin schon tun.



Sind die Feuerwehren im Saarland – auch nach den Überflutungen – so gefordert wie noch nie?

MEYER Ja, auf jeden Fall. Wir waren dieses Jahr schon weit über 3000 Mal unwetterbedingt im Einsatz. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 waren es etwa 800 Unwetter-Einsätze.

Das klingt nach wenig Schlaf.

MEYER So ist es. Vor allem die freiwilligen Feuerwehrleute nehmen immer wieder Enormes auf sich. Man muss bedenken: Von den rund 11 500 aktiven Feuerwehrmännern und -frauen im Saarland machen das nur etwa 200 hauptberuflich. Es gab Kollegen, die in den vergangenen Monaten selbst Opfer von Regen und Schlamm wurden. Etliche haben trotzdem entschieden, das eigene Wohl hinten anzustellen und zuerst anderen zu helfen. [...]

Wird das manchmal ausgenutzt?

MEYER Ja, leider. Grundsätzlich gilt natürlich: Wenn jemand das Gefühl hat, er befindet sich in einer Notlage, soll er die 112 anrufen. Wir sind da, und wir helfen. Aber handelt es sich bei wenigen Zentimetern immer um einen Notfall!? [...] Außerdem gab es Einsätze, bei denen uns die Hausbewohner die Tür aufgemacht haben und dann alle gemeinsam zum Fernsehen ins Wohnzimmer gegangen sind.

Wie viele Einsätze gab es, die nicht unbedingt nötig gewesen wären?

MEYER Mindestens ein Drittel waren entweder keine Einsätze, die die Feuerwehr überhaupt bearbeiten konnte, oder es waren Bagatelleinsätze. Ich habe selbst erlebt, dass wir gerufen wurden, weil in einer leerstehenden Garage drei Zentimeter Wasser standen. Da war die Feuerwehr wirklich nicht notwendig.

Das Gespräch führte Lisa Kutteruf