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Kommentar
Hilfe, ich sehe (fast) nur Männer

Schließen Sie bitte einmal kurz die Augen und stellen sich folgende Personengruppen vor: „Richter“, „Läufer“, „Trinker“. Ganz ehrlich: Wie viele Personen davon waren weiblich – oder divers? Von Pascal Becher

Keine? Das wäre zumindest laut sprach-psychologischen Studien nicht unnormal. Kein Wunder: Die Basis dieser „Männer-Fantasien“ ist nun mal die deutsche Sprache. „Generisches Maskulinum“ heißt das in der Linguistik, und meint einen Plural, der aus einem männlichen Singular gebildet wurde. Jetzt kann „man“ sagen: „Ist halt so.“ Die „anderen“ sind ja irgendwie auch „mitgemeint“. So argumentieren beispielsweise wir Medien gerne, um umständliche Wortkonstruktionen wie „Lehrer*in“, „Lehrer_in“ oder „Lehr_er_in“ zu vermeiden. Was wir uns dann aber auch eingestehen müssen, ist, dass wir ausgrenzend und unpräzise formulieren, wenn wir von Läufern oder Trinkern sprechen. Unser Gegenüber weiß nicht, dass die Frauen womöglich in der Überzahl waren. „Umständlich“ ist zudem ein schwaches Argument, um Ungerechtigkeit zu rechtfertigen. Und „elitär“ ist an Debatten über unsere Sprache sowieso nichts. Es ist die Basis unseres Zusammenlebens. Außerdem müssen ja Sternchen, Binnen-I und Unterstrich nicht das letzte Wort sein. Richtende, Laufende oder Trinkende geht ja auch. Oder wir benutzen erst mal nur noch den weiblichen Plural, bis wir nicht mehr Horden von Männern sehen, wenn wir an Richter denken. Ok?

FOTO: SZ / Robby Lorenz