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Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Umstieg auf Elektroautos bedroht 114 000 Jobs

Nürnberg. Eine Studie nennt den Grund für den Schwund: Elektroantriebe sind weniger komplex und erfordern deshalb weniger Arbeitskräfte.

Der Übergang zur Elektromobilität wird einer Studie zufolge langfristig rund 114 000 Jobs in Deutschland kosten. Vor allem im Fahrzeugbau würden mit 83 000 die meisten Arbeitsplätze wegfallen. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung und dem Bundesinstitut für Berufsbildung hervor, die gestern veröffentlicht wurde. Ob und wie viele Jobs tatsächlich verloren gehen, wenn mehr E-Autos gekauft werden, ist jedoch umstritten.

Aktuell sind nach Branchenangaben 834 000 Menschen in der Autoindustrie beschäftigt, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Sowohl die deutschen Autobauer als auch die Importeure forderten, die Ende Juni 2019 auslaufende Kaufprämie für Elektroautos zu verlängern.

Der Grund für den möglichen Jobschwund: Die Produktion von Verbrennungsmotoren sei arbeitsintensiver. Elektroantriebe seien weniger komplex und würden damit weniger Arbeitskraft erfordern. Betroffen sind demnach vor allem Fachkräfte. Es könne aber auch niedriger und höher Qualifizierte treffen, so die Studien-Autoren.



Die IAB-Prognose stützt sich auf die Annahme, dass der Marktanteil von Elektroautos bis zum Jahr 2035 bei 23 Prozent liegen wird. Sollte er in der Realität höher sein, wäre der Effekt auf den Arbeitsmarkt laut Studie auch dementsprechend stärker.

Gleichwohl setzen die deutschen Autobauer trotz aller Debatten auf den Diesel. Für den Klimaschutz müsse der zuletzt stark gesunkene Diesel-Anteil an den Neuzulassungen wieder steigen, sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), gestern in Berlin. „Wir dürfen den Blick auf CO2 vor lauter Diskussionen über Stickstoffdioxid nicht verstellen“, sagte Mattes. Die Zukunft des Autos sei vor allem elektrisch. Aber Verbrenner würden noch lange gebraucht.

Die Deutschen werden trotz aller Rabatte wohl auch im kommenden Jahr nicht mehr Autos kaufen, wie die Automobilbranche erwartet. Erstmals seit fünf Jahren sinke die Zahl der Neuzulassungen, in diesem und im nächsten Jahr um etwa ein Prozent auf dann noch knapp 3,4 Millionen, teilte der VDA mit. Die deutschen Autohersteller Volkswagen, Daimler und BMW wollen unterdessen mit großen Investitionen in den USA höhere Autozölle für US-Importe aus Europa verhindern.

Eigentlich hatte die Branche 3,5 Millionen Neuzulassungen in diesem Jahr erwartet, nun werden es wohl rund 3,4 Millionen. Verbandschef Mattes verwies darauf, dass das Vorjahr sehr stark gewesen sei: „Die Entwicklung des deutschen Pkw-Marktes 2018 ist erfreulich.“ Probleme machte in diesem Jahr ein neuer Abgasprüfstandard, der seit September gilt. Die Hersteller besaßen noch nicht für alle Modelle die Genehmigung und mussten ihre Produktion drosseln.

(dpa)