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Überblick
Kriege, Krisen und Hoffnung für das Jahr 2019

Teheran/Washington. Ein Hotel in Singapur, ein Flüchtlingslager in Bangladesch, das Weiße Haus. Die Krisen in diesem Jahr hatten etliche Schauplätze. Wie könnte es im kommenden Jahr weitergehen? dpa

Ein Überblick:

Iran Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran könnten 2019 weiter eskalieren. Donald Trump hat den Iran zum Lieblingsfeind erklärt – und das Land mit heftigen Wirtschaftssanktionen belegt. Im Mai kündigte der US-Präsident den Austritt seines Landes aus dem Atomabkommen mit dem Iran an. Trump will erreichen, dass Teheran sein Raketenprogramm aufgibt und Organisationen wie die Hisbollah im Libanon oder die Hamas im Gazastreifen nicht länger unterstützt. Der Iran droht damit, sein Urananreicherungsprogramm wieder unbegrenzt aufzunehmen.



Syrien Seit mehr als sieben Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Immerhin: Seit Wochen kommt es nur noch vereinzelt zu Gewalt. Im Laufe der Jahre gelang es den Regierungstruppen, mit Hilfe ihrer Verbündeten Russland und Iran die größten Teile des Landes wieder unter Kontrolle zu bringen. Den Rebellen bleibt als letzte große Hochburg nur noch die Region um Idlib im Nordwesten. Bis zum Jahresende soll das im Januar vereinbarte Verfassungskomitee die Arbeit aufnehmen. Trotzdem sind die Aussichten auf Frieden gering. Ein neuer UN-Vermittler tritt demnächst sein Amt an.

Libyen Obwohl die Zahl der Flüchtlinge, die von Libyen über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen, deutlich zurückgegangen ist, ist der Konflikt in dem nordafrikanischen Staat weit davon entfernt, zu Ende zu gehen. Immer wieder kam es 2018 zu Kämpfen zwischen verfeindeten Milizen – um die Macht in der Hauptstadt Tripolis und um Einfluss um die Ölhäfen des Landes. Frankreich und Italien versuchten sich gegenseitig bei der Vermittlung zwischen den Konfliktparteien auszustechen. Politisch konnten weder die beiden EU-Länder noch die UN-Vermittlungsmission große Erfolge erzielen. Die für Ende dieses Jahres vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron angekündigte Wahl wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine von Italien einberaumte Konferenz endete kürzlich mit Streit und der wütenden Abreise von Teilnehmern. Hoffnungen liegen auf einer Nationalkonferenz, die Anfang 2019 Menschen und Milizen aus allen Teilen des Landes zusammenbringen soll.

Venezuela Die politische und wirtschaftliche Krise im erdölreichsten Land der Welt hat sich in diesem Jahr weiter verschärft. Wegen Devisenmangels kann der Staat kaum noch Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. In den Krankenhäusern sterben Kinder, weil es an Ärzten, Medikamenten und Material fehlt. Rund drei Millionen Menschen haben ihre Heimat verlassen. Länder wie Kolumbien geraten bei der Aufnahme der Flüchtlinge zunehmend in Schwierigkeiten. Zudem geht die autoritäre Regierung von Präsident Nicolás Maduro hart gegen Oppositionelle vor. Trotz des Elends sitzt der Staatschef recht fest im Sattel, denn die Regierungsgegner sind untereinander zerstritten. Experten gehen davon aus, dass sich der Präsident hält, so lange er vom Militär gestützt wird.

Ukraine Der fast vergessene Krieg am Rande Europas hat sich am Ende dieses Jahres mit Vehemenz zurückgemeldet – mit ungewissen Aussichten für das kommende Jahr. Der Konflikt hat nun auch das Schwarze Meer und sein kleines Nebenmeer, das Asowsche Meer, erfasst. Russland beherrscht die Verbindung zwischen ihnen, die Meerenge von Kertsch. Es riegelt wichtige ukrainische Häfen praktisch ab. Unverändert wird in der Ostukraine gekämpft. Auf der einen Seite stehen die von Russland mit Waffen, Munition und Kämpfern versorgten Separatisten, auf der anderen Seite ukrainische Regierungstruppen. Die Gewalt im Kohlerevier Donbass hat zwar insgesamt abgenommen, aber mehr als 10 000 Menschen sind dort seit dem Jahr 2014 getötet worden. Eine politische Lösung erscheint unwahrscheinlich, denn in der Ukraine beginnt ein Wahljahr. Erst wird im März der Präsident bestimmt, die Wiederwahl von Staatschef Petro Poroschenko ist unsicher. Im Herbst ist das Parlament dran. Solange wird sich auf Kiewer Seite nichts bewegen.